Kommentar

Genf will die Strassenschilder weiblicher gestalten: Warum das diskriminierend ist

Die Stadt Genf ersetzt Piktogramme mit Strichmännchen durch solche mit Frauen: im Sinne der Diversität. Doch damit bewirkt die Regierung genau das Gegenteil.

Raffael Schuppisser
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So wie die Kommunikation auf dem Smartphone in den letzten Jahren dank neuer Emojis bunter geworden ist, wird nun auch das Flanieren durch die Stadt Genf abwechslungsreicher: Dafür sorgen neue Piktogramme, die bei Fussgängerstreifen angebracht werden und teilweise das bisherige Strichmännchen ersetzten. Zu sehen ist etwa eine schwangere Frau, eine Frau in High-Heels oder ein lesbisches Paar.

Auf Fussgängerstreifen soll kein Gender-Gap mehr klaffen. Mit den neuen Piktogrammen will sich die Stadt progressiv geben und die Diversität ihrer Bevölkerung abbilden. Der Schritt bewirkt aber genau das Gegenteil: Durch die neuen Zeichen, werden Menschen ausgeschlossen . Warum etwa ist kein schwules Paar zu sehen? Warum kein lesbisches Paar mit Kindern? Warum keine Frau mit Schleier? Und warum nur ein Mann mit Gehstock, aber keine Frau mit Handicap? Letzteres wurde prompt von Behindertenorganisationen bemängelt: Man habe hier eine Chance verpasst, enervieren sie sich.

So sehen die neuen Strassenschilder aus. Wer fehlt?

So sehen die neuen Strassenschilder aus. Wer fehlt?

HO

Bereits fühlen sich Behinderte ausgeschlossen und enervieren sich über eine verpasste Chance

Das Beispiel Genf zeigt: Je mehr Piktogramme man entwirft, um die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden, desto mehr Menschen schliesst man aus. Jede Differenzierung führt dazu, dass neue Gruppen entstehen, die ausgegrenzt werden. Von welch eleganter Schlichtheit hingegen ist die einfache Strichfigur! Sie ist so neutral gehalten, dass sie nicht über ihr Geschlecht, nichts über ihr Alter, nichts über ihre sexuelle Orientierung preisgibt. Es schliesst keinen Menschen aus.

Wenn man schon mit Piktogrammen zu einem gesellschaftsliberalen Stadtbild beitragen will, sollte man die Vielfalt nicht erhöhen, sondern reduzieren. Und zwar indem man dafür sorgt, dass alle Piktogramme geschlechtsneutral sind. Es sollten also nicht Strichfiguren ersetzt werden wie in Genf, sondern Strichfrauen, deren Weiblichkeit nur dadurch erkennbar ist, dass sie einen Rock tragen.

Dies hätte ausserdem den Vorteil, dass Toiletten nicht mehr nach zwei Geschlechter unterteilt werden könnten. Womit das WC-Problem der Transgender-Menschen gelöst wäre, die sich keinem der beiden Geschlechter zugeordnet fühlen. Ja,die Kraft der simplen Strichfigur ist schier unerschöpflich! Raffael Schuppisser

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