Fahrländer
Gemeinden haben mehr Schulden

Diese Woche ist die Gemeindefinanzstatistik 2013 erschienen. Nach einer massiven Verschuldung in den 90er-Jahren waren die aargauischen Kommunen vor vier Jahren praktisch schuldenfrei.

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Steuerfuss: Zwischen Schwaderloch (links) und Oberwil-Lieli liegen 64 Prozent Unterschied.

Steuerfuss: Zwischen Schwaderloch (links) und Oberwil-Lieli liegen 64 Prozent Unterschied.

AZ

Seither steigen die Fehlbeträge wieder an. Allerdings sagt die Totalverschuldung aller 216 Gemeinden nicht allzu viel aus. Es gab und gibt grosse Unterschiede. 134 von ihnen haben total 584 Mio. Franken Schulden, 82 dagegen sind schuldenfrei.

Beeinflusst werden die Gemeindefinanzen natürlich durch die Wirtschaftslage. Daneben schlagen die «gebundenen» Ausgaben zu Buche, jene Positionen, die den Kommunen vom Kanton «heruntergereicht» werden. Man könne nur einen Bruchteil der Rechnung selber bestimmen, betonen gestresste Gemeindeväter. Indes, Konjunktur und gebundene Ausgaben betreffen alle Gemeinden, sie sind einigermassen berechenbar. Sie erklären noch nicht die Unterschiede zwischen roten und schwarzen Zahlen.

Was beeinflusst die Finanzlage sonst noch ? Natürlich: die Lage. Seesicht, Alpensicht, Sonne statt Nebel, gute Verkehrsanbindung. Das lockt reiche Menschen an, es sprudeln die Steuern. Standortgunst ist indes auch nicht alles: Von der Spitze der Rangliste der reichsten Gemeinden grüsst Dürrenäsch, die 1200-Seelen-Gemeinde auf dem Hügelzug zwischen Wynen- und Seetal. Ein schönes Dorf – aber seine Verkehrsanbindung ist nicht ideal. Umgekehrt: In der Gruppe der meistverschuldeten Gemeinden findet sich Würenlos, ein toperschlossenes Dorf mit guter Sozialstruktur.

Es gibt offenbar nicht nur exogene Faktoren, welche die Finanzen beeinflussen, sondern auch endogene. Es kommt schon auch noch darauf an, wie gut eine Gemeinde haushaltet. Was schlägt der Gemeinderat vor? Was bewilligt der Souverän? Wie gut werden Einnahmen und Ausgaben im Lot gehalten? Wie gut staffelt man Investitionen? Wie realistisch setzt man den Steuerfuss an? Da bleibt durchaus Gestaltungsraum. Natürlich, wenn der Kanton eine Verlängerung der Primarschule beschliesst, müssen Gemeinden Schulraum zubauen. Trotzdem, es gibt nicht nur Fremdbestimmung. Suchet also, in Würenlos und anderswo, nicht zu weit nach Schuldigen!