Gastkommentar

Fit und frei im Netz schwimmen

Warum verwenden wir beim Surfen im Internet eigentlich die Browser und Programme der Giganten, obwohl es Alternativen gibt?

Susan Boos
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Susan Boos ist Redaktorin bei der WoZ und war von 2005 bis 2017 die Redaktionsleiterin der WoZ.

Susan Boos ist Redaktorin bei der WoZ und war von 2005 bis 2017 die Redaktionsleiterin der WoZ.

Der Browser, das ist ein Mensch, der in einem Geschäft herumstöbert. Oder halt eben das Programm, das man öffnet, wenn man im Internet etwas sucht. Was heute der Browser ist, war  früher der gute alte Telefonapparat mit Hörer und Wählscheibe, den man brauchte, um mit draussen zu kommunizieren. Man rief die Telefonauskunft an, und die konnte einem sagen,
wer wo wohnt, wie der Dollarkurs stand oder ob es auf der Rigi regnen wird. Sie amtete als Google, als es noch keine Suchmaschinen gab.

Die Suchmaschine ist ein toller Begriff, der sofort klarmacht, worum es geht. Für den Browser gibt es kein so hübsches Pendant.  Stöberapparat klänge gar unbeholfen. Unterschätzt sind die Browser aber allemal. Sie sind einfach da, warten auf jedem digitalen Gerät, dass man sie nutzt. Sie heissen Chrome (von Google), Explorer oder Edge (von Microsoft) oder Safari (von Apple).

Sicher sind sie nicht wirklich. Vor kurzem
fand in China der Tianfu Cup statt. Hackerteams demonstrierten für eine Prämie von  insgesamt  einer Million Dollar, was sie
draufhaben. Locker knackten sie Microsofts  Edge gleich drei Mal. Googles Chrome wurde zwei Mal geknackt. Apples Safari konnten
sie einmal erfolgreich  angreifen.

Und was sagt uns das? Dass sich fast alles  hacken lässt. Ausser Firefox, das orangerote Füchslein, das eingekringelt wie eine Katze  daliegt. Diesen Browser haben sie nicht gehackt. Das hat seine Gründe. Der Browser ist eben ein bisschen anders als die anderen.
Es ist kein kommerzieller Browser. Seine  Programme sind offen zugänglich, anders als bei den geschlossenen Systemen der anderen Browser, die man weder einsehen noch verändern kann. 

Eine Community von ProgrammiererInnen kümmert sich um  Firefox. Wenn Schwach-
stellen drin sind, werden sie gefunden und repariert.

Firefox gehört zu Mozilla. Um Mozilla zu  erklären, muss man in die Geschichte steigen: Einer der ersten Browser, die in den 1990er-  Jahren breit genutzt wurden, war Mosaic. Die beiden Mosaic-Programmierer verkrachten sich aber. Der eine zog aus, gründete Netscape und  ent wickelte den Netscape Navigator. Menschen, die älter als 50 sind, kennen ihn noch.

Aus Netscape entwuchs Mozilla. Das kam so: Als die Netscape-Leute den Navigator bauten, nannten sie ihn intern liebevoll Mozilla. Der  Name sagt viel aus über eine Szene, in der man sich zuerst innig liebt, zerstreitet und danach leidenschaftlich bekämpft. Es heisst, Mozilla sei eine Kombination aus Mosaic und Godzilla (das angsteinflössende, japanische Filmmonster) oder aus Mosaic und Killer. In beiden Varianten ist die Absicht klar: Mozilla soll Mosaic vernichten. Was auch gelungen ist. Schon Ende der 1990er-Jahre gab es Mosaic nicht mehr.
Netscape hat inzwischen die Mozilla Founda tion gegründet. Der Navigator lebt fröhlich im Firefox weiter. Und die gemeinnützige Stiftung kämpft für ein Internet, das von den Nutzer Innen kontrolliert wird – nicht von Grosskonzernen, die mit unseren Daten Milliarden machen. Deshalb versucht Firefox auf allen Ebenen des Stöberns, unsere Nutzerdaten zu schützen.

Erst kürzlich hat die Mozilla Foundation einen «Internet Health Report» publiziert, der den Gesundheitszustand des Webs untersucht. Sie lotet aus, wie sicher das Netz ist, wer es kontrolliert, wer ausgeschlossen wird und wie sich  Alternativen gegen die hochkonzentrierte Macht von Google, Amazon, Facebook oder  Alibaba entwickeln lassen. Netzwerke wie Facebook muss man zum Beispiel weder boykottieren noch abschaffen, man müsste nur dafür sorgen, dass die NutzerInnen sie kontrollieren. Gute Alternativen gibt es schon.

Die Leute  sollten einfach weniger bequem sein und statt Chrome oder Safari Firefox oder Opera installieren.

 Statt googeln mit duckduckgo.com oder startpage. com suchen. Statt des Messenger WhatsApp die Schweizer Variante Threema verwenden. Es gibt so viele kluge Köpfe da draussen, die eine bessere digitalisierte Welt programmieren. Es ist einfach, mitzumachen. Man braucht nur deren Programme zu nutzen – die sind lediglich ein Click von Google entfernt.