Kommentar

Ferien für pflegende Eltern: Die Arbeitgeber sind in der Pflicht

Es ist richtig und wichtig, dass der Bundesrat all jenen helfen will, die Angehörige pflegen. Wollen die Arbeitgeber keine staatliche Regelung, stehen sie  in der Pflicht zu zeigen, dass sie Hand für individuelle Lösungen bieten.

Maja Briner
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Maja Briner, Redaktorin Inland

Maja Briner, Redaktorin Inland

Eine Krebsdiagnose, ein schwerer Unfall oder ein anderer Schicksalsschlag kann das Leben ganzer Familien aus der Bahn werfen. In dieser ohnehin belastenden Situation stellen sich auch organisatorische Fragen: Wer kümmert sich um das Kind, die Mutter, den Ehegatten – und wie lässt sich das mit dem Job vereinbaren?

Es ist richtig und wichtig, dass sich der Bundesrat dieser Frage annimmt. Denn oft sind es die Frauen, die Angehörige unentgeltlich pflegen. Weil heute mehr von ihnen erwerbstätig sind, hat sich das Problem der Vereinbarkeit verschärft. Die positive Seite davon: Die Gratisarbeit wird besser sichtbar.

Der Bundesrat schlägt nun in erster Linie eine Verbesserung für Eltern vor, deren Kind schwer erkrankt oder verunfallt. Sie sollen künftig 14 Wochen bezahlten Urlaub beziehen können. Für die 4500 Familien, die pro Jahr betroffen sind, ist das eine wichtige Entlastung in einer schwierigen Situation. So wird verhindert, dass ein Elternteil seinen Job aufgeben oder unbezahlten Urlaub nehmen muss – und die Familie unter Umständen auch noch von Geldsorgen geplagt wird.

Für Arbeitgeber kann es schwierig sein, wenn ein Angestellter länger ausfällt. Es ist daher richtig, den Pflegeurlaub auf Eltern schwerkranker Kinder zu beschränken. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass all jene, die erwachsene Verwandte pflegen, sich ebenfalls in einer schwierigen Situation befinden können.

Eine pauschale gesetzliche – und finanzierbare – Lösung für sie zu finden, dürfte indes schwierig sein, zumal ihre Bedürfnisse unterschiedlich sind. Die Arbeitgeber stehen in der Pflicht zu zeigen, dass sie Hand für individuelle Lösungen bieten – und es keine staatliche Regelung braucht.