Kommentar

Es werden Jahre verstreichen: Die gemeinsame Ostschweizer Spitalplanung rettet kein St.Galler Spital

St.Gallen, Appenzell Ausser- und Innerrhoden, Glarus und Graubünden wollen in der Spitalplanung künftig zusammenspannen. Das Bekenntnis zum gemeinsamen Vorgehen ist ein erster, längst überfälliger Schritt. Gewonnen ist damit noch nichts.

Regula Weik
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Regula Weik, Reporterin Ressort Ostschweiz.

Regula Weik, Reporterin Ressort Ostschweiz.

Bild: Urs Bucher

Erstmals in der Schweiz spannen fünf Kantone in der Spitalplanung zusammen – und das in der Ostschweiz. Appenzell Ausser- und Innerrhoden, Glarus, Graubünden und St.Gallen wollen künftig ihre stationäre Gesundheitsversorgung gemeinsam planen. Das versichern die Gesundheitschefinnen und -chefs der fünf Ostschweizer Kantone und unterschreiben eine Absichtserklärung.

Die Idee ist nicht neu. Doch bislang versandeten sämtliche Bemühungen einer interkantonalen Zusammenarbeit. Zu sehr hütete jeder Kanton seine Spitäler – und plante exakt bis zur Kantonsgrenze. So sprach sich die Landsgemeinde für einen Spitalneubau in Appenzell aus. Auch die aktuelle St.Galler Spitalstrategie ist ein Sololauf. Die benachbarten ausserkantonalen Spitäler spielen dabei keine Rolle. Die St.Galler Regierung trägt nicht die alleinige Schuld an diesem Umstand. Die Nachbarkantone zeigten sich bis jetzt ebenso wenig fähig, tragbare Lösungen für eine interkantonale Zusammenarbeit in der Spitalplanung zu finden. Zu gross die Sorge, an Souveränität zu verlieren. Zu gross die Angst, in die Defensive gedrängt zu werden.

Das Bekenntnis zum gemeinsamen Vorgehen ist ein erster, längst überfälliger Schritt. Gewonnen ist damit noch nichts. Die schwierigen Debatten und Entscheide stehen erst noch an. Welche Leistungen werden künftig von wem und wo angeboten? Wer übernimmt in welcher Spezialität den Lead für die ganze Ostschweiz?

Ziel der gemeinsamen Spitalplanung ist, die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Das gelingt nur, wenn jeder der fünf Kantone bereit ist, Angebote aufzugeben, Kapazitäten abzubauen, Doppelspurigkeiten aufzulösen. Mit dem reinen Verschieben von Behandlungen werden keine Kosten gespart.

Wie ernst es den fünf Kantonen mit der Absicht der Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich tatsächlich ist, wird sich weisen, wenn es um die konkrete Umsetzung geht. Bis dahin werden Jahre verstreichen. Zeit, die insbesondere die St.Galler Spitäler nicht mehr haben. Auf eine Neuordnung der Ostschweizer Spitallandschaft zu hoffen, wäre für sie deshalb fatal. Die Entscheide zur künftigen St.Galler Spitalstrategie sind jetzt nötig. Die gemeinsame Ostschweizer Spitalplanung rettet kein St.Galler Spital. Die Absichtserklärung kommt für sie zu spät.

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