Kommentar
Es ist ein Fakt: Eine Party ist laut

Der Stadtrat von Zürich wird scheitern, wenn er für das «Partyproblem» die eine, die richtige Lösung sucht.

Oliver Graf
Oliver Graf
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Schläft nie: die Zürcher Langstrasse

Schläft nie: die Zürcher Langstrasse

Keystone

Es gibt, das ist eine banale Erkenntnis, zwei Sichtweisen: Wer schlafen will, den stört selbst die leise Musik aus einem Pub. Wer im Pub ist, der würde gern noch etwas am Lautstärkeregler drehen. Diese beiden Perspektiven lassen sich nie in Einklang bringen.

Das ist dem Stadtrat von Zürich auch bewusst. Er will zwar mit seinem Projekt «Nachtleben» die Auswüchse in der Partystadt minimieren. Der Stadtrat gibt sich dabei aber keinen Illusionen hin. Er weiss, dass es zwischen den beiden Polen Lärm und Ruhe keine Patentlösung gibt. So versucht er sich zu Recht in kleinen Schritten. Er hat die Polizeipräsenz in den Nächten erhöht, um einen «mässigenden Einfluss» auf das Partyvolk auszuüben. Er kündigt für neue Lokale eine Bewilligungspraxis mit mehr zu erfüllenden Auflagen an.

Das sind durchaus sinnvolle Massnahmen im Kleinen. Nur werden sie das eigentliche Problem nicht lösen. Denn die Anwohner regen sich wegen des herumliegenden Mülls auf. Sie sind verärgert, weil Betrunkene an ihre Hauswände urinieren. Und sie können nicht schlafen, weil sich das Partyvolk auf der Strasse in die Haare gerät. Eine Baubewilligung mit harten Auflagen kann den Lärm minimieren, der aus einem Club dringt. Sie hat keinen Einfluss darauf, wie sich die Ausgehfreudigen im öffentlichen Raum verhalten. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Das ist keine Frage von Bewilligungen und Auflagen, sondern eher eine der Erziehung. Und die kann und muss nicht der Stadtrat beantworten.

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