Kommentar
Es gibt keine Alternative zur EU

Ist mit dem Spardiktat für Griechenland die europäische Idee gestorben? Glaubt man den etlichen Kommentatoren, könnte man es beinahe meinen. Doch allzu oft geht vergessen: Es gibt – gerade aus Schweizer Sicht – keine dienliche Alternative zur EU.

Stefan Schmid
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Inland-Chef Stefan Schmid: «Gäbe es in Europa keine Union mehr, man müsste sie sofort neu erfinden.»

Inland-Chef Stefan Schmid: «Gäbe es in Europa keine Union mehr, man müsste sie sofort neu erfinden.»

Keystone

Operation gelungen, Patient gestorben. Oder auf die derzeitige Krise in Europa gemünzt: Griechenland gerettet, die Idee Europas aber ist tot.

Tatsächlich? Die Politiker sind zwar in den Ferien, doch die Diskussion läuft auf dem ganzen Kontinent intensiv. Ist mit dem Spardiktat der reichen Nordeuropäer gegenüber den Griechen die europäische Idee verraten worden? Manche finden ja, andere zögern, viele sind enttäuscht. Intellektuelle und Politiker warnen vor einer Spaltung, ja dem Zerfall der EU. Das grosse Einigungsprojekt liegt auf der Intensivstation.

Die Zukunft vorauszusagen ist unmöglich. Ob die Nationalisten in den EU-Staaten so viel Oberwasser bekommen, um die EU zu zerschlagen, weiss niemand. Zu hoffen ist es – gerade auch aus Schweizer Perspektive – natürlich nicht.

Stabile, berechenbare Verhältnisse sowie ein gesitteter Umgang untereinander sind im ureigenen Interesse des zentral gelegenen Kleinstaats. Historisch betrachtet sind sie keine Selbstverständlichkeit. Man darf also mit Fug behaupten: Gäbe es in Europa keine Union mehr, man müsste sie sofort neu erfinden. Es gibt so viele Dinge, die auf nationalstaatlicher Ebene nicht zufriedenstellend gelöst werden können. Von der Bewältigung der Flüchtlingsströme, über die militärische Sicherheit Europas bis hin zum täglichen Güteraustausch in Milliardenhöhe. Die Zeiten des omnipotenten, souveränen Nationalstaats sind vorbei. Ganz zu schweigen von der globalen Entwicklung.

Nur ein vereintes Europa kann sich im Konzert der Grossmächte längerfristig Gehör verschaffen.

Die Schweiz wird und muss selbstverständlich nicht mitmachen. Eng mit Europa verflochten, auf gute Beziehungen mehr angewiesen als umgekehrt, schreiten wir auf dem bilateralen Weg voran. So wir denn wollen. Es gibt sie ja auch bei uns, die Scharfmacher – ob sie wirklich alles zum Einsturz bringen wollen?

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