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Kommentar

Es fehlt weiterhin am Vertrauen in die Kesb

Kommentar von Lena Berger, Regionalleiterin der "Zentralschweiz am Sonntag". zum Entscheid eines Bezirksgerichts, einen Mann wegen übler Nachrede zu verurteilen, nachdem er seine Nachbarin bei der Kesb gemeldet hatte.
Lena Berger
Lena Berger

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Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Diese Redewendung trifft leider auch in diesem Fall zu: Ein Mann machte sich Sorgen um die psychische Verfassung seiner Nachbarin – doch er wendete sich mehrfach in dermassen alarmierendem Ton an die Kesb, dass er damit eine Ehrverletzung beging.

Der Mann ist ein Typ, der eigentlich keinem etwas zu Leide tut. Das geht aus seinen Schilderungen vor Gericht hervor. Immer wieder betonte er, dass er doch nur habe helfen und die Frau sicher nicht «anschwärzen» wollen.

Dennoch: er hat unzweifelhaft die nötige Distanz zu der Nachbarfamilie verloren. Er hat nach einer seltsamen Begegnung mit seiner Mieterin – die durch eine Scheidung verständlicherweise aufgewühlt war – voreilige Schlüsse gezogen und letztlich eine Grenze überschritten. Als er in der Gerichtsverhandlung gefragt wurde, warum er die Sache nicht den Behörden überliess, sagte er: «Ich hatte das Gefühl, die Kesb habe nicht zügig gehandelt. Deshalb habe ich nochmals angerufen. Sie haben nicht begriffen, wie schlecht er dieser Frau geht.»

Es braucht mehr Transparenz

Diese Aussage offenbart zwei Pro­bleme, mit denen die Kesb zu kämpfen hat. Das erste ist: Ihr wird von der Bevölkerung wenig Vertrauen entgegengebracht. Die einen glauben, sie neige zu übertriebenem Aktivismus, die anderen sind überzeugt, sie lasse Fälle schleifen. Strittige Entscheide können zwar ans Kantonsgericht gezogen werden. Doch ob dessen Kesb-Urteile in Luzern akkreditierten Medienvertretern zugänglich gemacht werden sollen, wird aktuell noch diskutiert – und so hat die Öffentlichkeit im Moment keine Chance, sich ein Bild über die Arbeitsqualität der Kesb zu machen. Diese fehlende Transparenz wirkt wie Wasser auf die Mühlen der Kesb-Kritiker.

Engere Zusammenarbeit mit Schulen ist nötig

Die Kesb greift tief in die Privatsphäre von Menschen ein, wenn sie Massnahmen prüft oder anordnet. Der Persönlichkeitsschutz ist deshalb besonders wichtig. Das bringt jedoch das zweite Problem mit sich: Wer eine Gefährdungsmeldung macht, hat keinerlei Anrecht zu erfahren, ob und wie es in dem Fall weitergeht. Das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch beispielsweise für Schulen, die eine Kindsgefährdung melden. Dadurch kann der Eindruck entstehen, man nehme die Meldung nicht ernst. Hier gilt es, verschiedene Interessen abzuwägen – und neue Formen der Zusammenarbeit mit Schulen, Sozialarbeitern und Privatpersonen zu prüfen, um mehr Vertrauen zu schaffen.

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