Tourismus
Es braucht Hotels – statt noch mehr Zweitwohungen

Der Ständerat hat die Zweitwohnungsinitiative stark verwässert – dabei ist der Markt längst gesättigt, wie eine Studie zeigt. Gefragter wären eher attraktive Hotels. Und zwar nicht nur im Luxus-Segment. Kommentar von Wirtschafts-Redaktor Roman Seiler

Roman Seiler
Roman Seiler
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Der Markt für Zweitwohnungen ist übersättigt: Bauland in Furna im Praettigau. (Symbolbild)

Der Markt für Zweitwohnungen ist übersättigt: Bauland in Furna im Praettigau. (Symbolbild)

Keystone

Für die Bergregionen ist das verständlicherweise stossend: Dass ihnen Unterländer mit der Annahme der Zweitwohnungsinitiative vorgeschrieben haben, den Bau von Zweitwohnungen zu beschränken.

Ebenso stossend ist nun aber das Verhalten des Ständerats. Er hat in der Herbstsession die Vorlage stark verwässert. Die Standesvertreter wollen mit Ausnahmeregelungen zulassen, dass möglichst viele weitere Zweitwohnungen entstehen.

Dabei zeigen Zahlen des Immobilien-Beratungsunternehmens Wüest & Partner, dass der Markt längst übersättigt ist. Die 8700 Zweitwohnungen in Tourismusregionen sind bestenfalls in einigen Jahren verkauft. Was keinen Käufer findet, lässt sich auch kaum an Touristen vermieten: Die Wohnungen sind auch dafür letztlich zu wenig attraktiv.

Der Schweizer Tourismus braucht keine weiteren Zweitwohnungsburgen, die meist nur wenige Wochen besetzt sind. Er braucht attraktive Hotelangebote – nicht nur im Luxussegment, sondern vor allem auch im unteren Sternenbereich. Solche Hotels ermöglichen Familien, in den Schweizer Bergen zu erschwinglichen Preisen Ferien zu machen. Sonst reisen die weiter ins Ausland, nach Österreich oder gleich auf die Kanaren oder in andere Stranddestinationen.

Dann bleiben den Ferienorten letztlich noch die Reichen, die an Weihnachten oder im Februar ein paar Tage im Schnee ausspannen. Davon lebt auf Dauer keine Station.

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