Die Freitags-Kolumne
Eine Ode an die Floristin

Lassen wir zu Anfang des Jahres Blumen sprechen. Jedenfalls indirekt. Reichen wir die Blumen weiter – oder geben sie zurück: an die Floristin. Nicht an eine bestimmte Floristin, sondern an alle.

Max Dohner
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Wohin wollen sie denn gehen?

Wohin wollen sie denn gehen?

Freude an Floristinnen – das hat früh begonnen. Die allererste Floristin, die in mir etwas erblühen liess, hielt mich vom Schnaps ab. Alkohol war nicht das Kernproblem des Sechzehnjährigen, der ich damals war, kaum entwöhnt vom vielen Ovomaltine-Trinken. Ich trat anders trunken dem Blauen Kreuz bei, weil ich wusste, dass meine Floristin Mitglied der örtlichen Blaukreuz-Sektion war. So schlürfte ich Tee im Wohlfahrtshaus und hörte mir Protokolle an eines eher faden Kampfes. Fade nicht wegen des Kreuzes Alkohol, an dem viele tragen, sondern lauwarm im Vergleich zum Brand, den ich inwendig spürte. Der Tag, als dieses Feuer schlagartig erlosch, weil die Floristin eine Blümchenromanze mit dem Aktuar beichtete, endete im Doppelschlag meines sofortigen Austritts aus der Gilde.

Für Floristinnen überwinde ich Ideologieschranken, aber reisse sie auch nieder ohne Blumen. Zentral war nie die Botschaft der Floristin, zentral war immer nur, wofür sie stand: Sie halten die schönsten Dinge in den Händen. Sie sind umhüllt von den besten Düften. Sie sind Pflanzenflüsterinnen und wissen von jeder, wie lange sie atmet, was sie braucht, um nicht zu rasch einzugehen. Sie verstehen sich auf stille Wunder.

Dabei richten sich Floristinnen nach dem Delikaten und tun nicht selber delikat. Sie stehen in dicker Jacke, Halsschleife und Kapuze in kalten Läden, weil das den Blumen bekömmlich ist, nicht ihnen. Keinen Blumenladen kann ich jemals vergessen, kaum eine Floristin, weil die Stunde jedes Mal von Bedeutung war, wenn ich im Blumenladen ein Gebinde suchte. Floristinnen sind Wächterinnen aller wesentlichen Momente. Jede könnte man vom Fleck weg heiraten, am besten alle im Strauss zusammen.