Per Autostopp um die Welt (104)
Eine Liebeserklärung an die Lastwagenfahrer dieser Welt

In Woche 104 auf seiner Reise um die Welt reist Thomas Schlittler mit seiner Freundin von Alausi (Ecuador) nach Huaraz (Peru).

Thomas Schlittler
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Schlittler-Kolumne Woche 104 Titelbilder

Schlittler-Kolumne Woche 104 Titelbilder

Thomas Schlittler
Lea und ich sehen nach der Nacht in Jorges LKW ziemlich zerknittert aus. Obwohl wir etwa vier Mal so lange geschlafen haben wie Jorge.

Lea und ich sehen nach der Nacht in Jorges LKW ziemlich zerknittert aus. Obwohl wir etwa vier Mal so lange geschlafen haben wie Jorge.

Thomas Schlittler

Seit acht Stunden steuert Jorge seinen in die Jahre gekommenen Lastwagen über die holprigen Strassen im Norden Perus. Es ist 21 Uhr, als der Ecuadorianer, der vom Alter her mein Vater sein könnte, zu mir herüberblickt und mit fürsorglicher Stimme sagt: „Wenn du müde bist, kannst du dich gerne hinlegen. Kein Problem.“
Ich halte es für meine Pflicht als Tramper, meinen Fahrern als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen, und antworte deshalb entschlossen: „Nein, nein, es geht schon. Ich bleibe hier.“ Eine halbe Stunde später siegt die Müdigkeit dann aber doch. Ich klettere in den hinteren Teil der Fahrerkabine und lege mich aufs Bett, auf dem meine Freundin Lea bereits schlummert.

Thomas Schlittlers Woche 104 in Bildern – Fahrer-Selfies, Städte, Landschaften:

Unsere Woche beginnt in Alausi.
35 Bilder
Das kleine Städtchen liegt in einem herrlich grünen Tal.
Eine Stunde länger unterwegs? Für unseren Fahrer Jimmy scheinbar kein Problem.
Die Landschaft erinnert uns extrem an die Schweiz.
Da kommt ein bisschen Heimweh auf.
Cuenca ist mit rund 280'000 Einwohnern die drittgrösste Stadt Ecuadors.
Das bekannteste und beeindruckendste Gebäude der Stadt ist die 'neue Kathedrale' (La Nueva Catedral).
Mit dem Bau der Kathedrale wurde 1885 begonnen, aber wegen diverser Erdbeben wurde sie nie endgültig fertiggestellt.
La Nueva Catedral bietet bis zu 10'000 Gläubigen Platz.
In Cuenca fallen zudem die zahlreichen Indigenas auf.
Mit ihren traditionellen Kleidern sind sie die Farbtupfer im Stadtbild.
...
Viele Indigenas leben auf dem Land, kommen aber nach Cuenca, um ihre Agrarprodukte zu verkaufen.
...
Ohnehin ist Cuenca ein toller Ort für ein bisschen People-Watching.
...
Von Cuenca nach Giron: Jaime (r.) und Sonja sind auf dem Weg zu einer Kapelle, deren Umschwung sie mit Tonfiguren verschönern sollen.
Von Giron nach Pasaje: Cristian fährt mit uns durch ein Gebiet, das er selbst auch noch nie gesehen hat - obwohl er Ecuadorianer ist.
Und es ist ein wunderschönes Gebiet.
Zudem sind die Strassenverhältnisse wie fast überall in Ecuador sehr gut.
Von Pasaje nach Buenavista: Giovanni lebte mal ein paar Jahre in den USA, wurde dann aber abgeschoben, weil er Mist gebaut hat. Was genau, verrät er uns nicht.
Von Buenavista nach Santa Rosa: Secundo (links) hat ein unfertiges Tattoo auf seinem Oberarm. Er will es irgendwann fertigstellen, sagt er uns.
Von Santa Rosa nach Huaquillas: Diese beiden Herren arbeiten für eine Firma, die T-Shirts produziert.
Von Huaquillas nach Grenze Ecuador-Peru: Die letzten 2-3 Kilometer bis zur Grenze nimmt uns diese Familie mit. Wir reden aber nicht viel.
Von Grenze Ecuador-Peru nach Zarumilla: Jimmy ist eigentlich Taxifahrer, er bringt uns aber trotzdem kostenlos an einen besseren Autostopp-Ort.
Von Zarumilla nach Tumbes: Kaum dort angekommen geht es mit Carlos weiter. Er ist ein echter Comedian.
Von Tumbes nach Corrales: Auf Edgar warten wir zwei Stunden - aber er bringt uns nur wenige Kilometer weiter. Wir müssen unplanmässig hier übernachten.
Von Corrales nach Zorritos: Auch am nächsten Tag harzt es. Nach über einer Stunde warten bringt uns Victor 25km weiter.
Lea und ich sehen nach der Nacht in Jorges LKW ziemlich zerknittert aus. Obwohl wir etwa vier Mal so lange geschlafen haben wie Jorge.
Mit Jorge und seinem LKW können wir rund 650km bis nach Trujillo fahren. Das dauert zwar insgesamt 17 (!) Stunden, aber wir wollen uns nicht beklagen.
Zumindest haben wir tolle Aussichten.
Trujillo ist mit rund 700'000 Einwohnern der zweitgrösste Ballungsraum in Peru und gilt als die Kulturhauptstadt des Landes, da hier grosse Denker und Schriftsteller ausgebildet wurden.
Trujillo ist zudem bekannt für die Überreste der Moche-Kultur, die sich vom 1. Jahrhundert bis zum 8. Jahrhundert an der Nordküste Perus entwickelte.
Die Moche errichteten in Trujillo mit den beiden Adobepyramiden Huaca del Sol und Huaca de la Luna die grössten Bauten des alten Südamerika.
Und auch Chan Chan, die Hauptstadt des präkolumbischen Chimú-Reiches, befand sich westlich der heutigen Stadt Trujillo.

Unsere Woche beginnt in Alausi.

Thomas Schlittler
Wasil chauffierte mich zu Beginn meiner Reise, vor fast zwei Jahren, in seinem LKW nach Kiew – allerdings nicht ohne Zwischenfall.

Wasil chauffierte mich zu Beginn meiner Reise, vor fast zwei Jahren, in seinem LKW nach Kiew – allerdings nicht ohne Zwischenfall.

Thomas Schlittler
Weil Wasil kurz einnickt, streifen wir mit unserem LKW die Leitplanken. Wir kommen mit dem Schrecken davon. Doch ein Reifen muss ersetzt werden.

Weil Wasil kurz einnickt, streifen wir mit unserem LKW die Leitplanken. Wir kommen mit dem Schrecken davon. Doch ein Reifen muss ersetzt werden.

Thomas Schlittler

In lebhafter Erinnerung geblieben ist Lea und mir auch die LKW-Panne auf einer menschenleeren Autobahn im Norden Chinas. Unbeeindruckt von der Finsternis der Nacht sowie der eisigen Kälte kriecht unser Fahrer unter seinen Lastwagen, um den Motor wieder zum Laufen zu bringen. Lea und ich stehen zitternd am Strassenrand und verfluchen unser Schicksal. Beim jungen Mann dagegen ist nicht einmal ein Anflug von Ärger erkennbar.

Wir wurden in China nicht von vielen LKW-Fahrern mitgenommen. Dieser Herr war einer davon. Er beeindruckte uns, weil er trotz Panne, Kälte und Dunkelheit völlig gelassen blieb.

Wir wurden in China nicht von vielen LKW-Fahrern mitgenommen. Dieser Herr war einer davon. Er beeindruckte uns, weil er trotz Panne, Kälte und Dunkelheit völlig gelassen blieb.

Thomas Schlittler
Eine Stunde länger unterwegs? Für unseren Fahrer Jimmy scheinbar kein Problem.

Eine Stunde länger unterwegs? Für unseren Fahrer Jimmy scheinbar kein Problem.

Thomas Schlittler
Und so sieht eine Umleitung auf Ecuadorianisch aus. Hat geklappt.

Und so sieht eine Umleitung auf Ecuadorianisch aus. Hat geklappt.

Thomas Schlittler

Auf dieser Route reiste Thomas Schlittler in Woche 104:

Mein allergrösster Respekt, Amigo. Für dich und alle deine Berufskollegen. Ich hoffe, dass selbstfahrende Lastwagen nie den Durchbruch schaffen werden und dass ihr euch mit euren Hupen auch in hundert Jahren noch freunschaftlich grüssen werdet. Ihr Lastwagenfahrer habt in meinem Herzen ein ganz besonderes Plätzchen erobert. Drückt mir die Daumen, dass ein kleines bisschen von eurer Geduld und Gelassenheit auch bei mir hängen bleiben wird. Danke!

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