Degen sticht
Ein Trainer gehört in die zweite Reihe

Während die Schweizer Fussballmeisterschaft in den höchsten Ligen zugunsten des Cup-Spielbetriebs pausiert, befasst sich der ehemalige Fussballer David Degen in seiner Kolumne mit den ersten Trainerentlassungen in der Super League.

David Degen
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Uli Forte wurde bei den Young Boys in die Wüste geschickt

Uli Forte wurde bei den Young Boys in die Wüste geschickt

KEYSTONE/EDDY RISCH

Die Super League pausiert an diesem Wochenende. Zeit für mich, eine erste Bilanz zu ziehen nach fünf Spieltagen. Wer hat überrascht? Wer hat enttäuscht? Wer hat versagt? Was bewegt?

Das dominierende Thema sind leider zwei Trainerentlassungen. Ich plädiere dafür, an einem Trainer lange festzuhalten und nicht so wie Christian Constantin in Sion nur den Totomat entscheiden zu lassen. Aber sowohl beim FCZ als auch bei YB war es richtig, die Reissleine zu ziehen. Wobei für mich klar ist, warum Uli Forte in Bern gescheitert ist: Ein Trainer muss sich am Ende des Tages immer in die zweite Reihe stellen, die grosse Bühne gehört nun mal den Spielern. Genau deswegen hat der FC Basel Urs Fischer zum Trainer gemacht: Weil der unter der Woche zwar ein strenger Schaffer mit viel Autorität ist, an den Spieltagen aber ruhig auf der Bank sitzt und auch vor den Medien das Lob an die Mannschaft weitergibt.

Noch etwas anderes macht mich stutzig bei YB: Dass Assistenztrainer Harry Gämperle nicht zum ersten Mal einen Cheftrainer überlebt hat, wenn gleichzeitig Fredy Bickel Sportchef des Vereins ist. Das war schon beim FCZ so. Zwischen den Chef und seinen Assistenten darf kein Blatt Papier passen: Also muss auch der Assistent gehen, wenn der Chef entlassen wird. Gämperle war aber immer näher bei Bickel als bei seinen direkten Vorgesetzten – eine Konstellation, über die auch Uli Forte gestolpert sein könnte.

Von FCZ-Präsident Ancillo Canepa wünsche ich mir bei der Wahl des neuen Trainers vor allem eines: Mut. Heisst: Ein Ausländer soll es sein. Einer mit einem grossen Namen, der Deutsch spricht, der aber noch unverbraucht ist. Warum nicht Stefan Effenberg oder Jens Keller? Letzteren kenne ich gut und bin überzeugt: Er würde zum FCZ passen. Wer auch immer der neue Trainer sein wird: Er muss es schaffen, der sehr talentierten FCZ-Mannschaft die richtige Arbeitseinstellung zu vermitteln.

Wenn wir schon bei den Trainern sind, schauen wir noch nach Thun: Dort wurde Ciriaco Sforza zwar nicht entlassen – trotzdem: Ciri, den ich sehr schätze und der seit der Entlassung bei GC eine grosse Entwicklung durchgemacht hat, hätte nicht nach Thun gehen dürfen. Er ist ein ehrgeiziger Typ, der hohe Ansprüche an seine Spieler stellt. Was er sucht, das wird er im Berner Oberland aber nicht finden. So sehr ich die Arbeit der Thuner schätze: die Möglichkeiten für Sforza sind zu begrenzt. Ich halte ihn für einen guten Trainer und möchte ihn gerne bei einem Klub arbeiten sehen, der viel Geld für Investitionen hat. Ich bin überzeugt, bei einem solchen Klub hätte Ciri maximalen Erfolg. Das soll auf keinen Fall heissen, dass er in Thun scheitern wird – doch das Frustpotenzial ist für ihn bei den bescheidenen Berner Oberländern sehr hoch.