Junge Flüchtlinge
Ein Recht, kein Akt der Gnade

Minderjährige, die ohne Begleitung an eine Befragung reisen und schlecht betreut in Durchgangszentren leben – die Kantone gehen locker mit den Rechten junger Flüchtlinge um.

Daniel Fuchs
Daniel Fuchs
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Junge Asylbewerber aus Eritrea.

Junge Asylbewerber aus Eritrea.

Keystone

Jugendliche Asylbewerber, die schlecht betreut zusammen mit gelangweilten Erwachsenen in Durchgangszentren wohnen. Oder einer, der, ganz auf sich gestellt, drei Monate lang nicht für die Schule angemeldet wird. Und Minderjährige, die ohne Begleitung an ihre Befragungen durch Experten des Staatssekretariats für Migration nach Bern reisen. Diese Beispiele zeigen: In manch einem der Nordwestschweizer Kantone steht es nicht gerade zum Besten mit grundlegenden Rechten von Flüchtlingen im Jugend- oder Kindesalter, die ohne ihre Eltern in die Schweiz eingereist sind.

Für die Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden sind in der Schweiz die Kantone verantwortlich. Besondere Beachtung gilt den unbegleiteten Minderjährigen unter ihnen. Es liegt in der Natur eines föderalen Systems wie der Schweiz, dass übergeordnetes Recht (hier das Asylgesetz) in den Gliedstaaten (hier die Kantone) vollzogen wird. Mit Unterschieden: Manche Kantone tun mehr für das Wohl der Menschen, die ihnen zugeteilt worden sind, andere weniger. Was im Bundesgesetz steht, ist allerdings der Mindeststandard. Wenn das Gesetz vorsieht, dass jugendlichen Asylbewerbern eine Vertrauensperson zur Seite gestellt werden muss, dann ist es so. Man kann den Kantonen kaum vorwerfen, dass sie diese Vorgabe systematisch missachten.

Mag sein, dass es sich bei den eingangs genannten Beispielen nur um Einzelfälle handelt. Trotzdem ist es natürlich so: Das Asylverfahren ist kein Akt der Gnade, sondern ein Recht. Ganz gleich, ob es sich nun um Kinder, Jugendliche oder Erwachsene handelt.

Lesen Sie den Bericht zum Thema hier.