Energiestrategie
Ein Opel ist kein AKW

Die Chancen für die Ausstiegsinitiative der Grünen sind mit dem Entscheid des Ständerates gestiegen.

Antonio Fumagalli
Antonio Fumagalli
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Das AKW Beznau.

Das AKW Beznau.

Die Damen im kurzen Cocktailkleid, die Herren im biederen Anzug mit Schlaghosen – und im Hintergrund ein rostiges Auto namens «Opel Beznau» mit Baujahr 1969. So präsentierten sich Linke und Grüne kürzlich auf dem Bundesplatz. Ihre Botschaft: Die Schweizer Atomkraftwerke sind so marode, dass man ihnen nicht mehr vertrauen kann. So wie eben einem Opel aus jenen Jahren.

Nun ist ein AKW aber nicht mit einem Auto vergleichbar. Das Gesetz verpflichtet die Betreiber eines Kraftwerkes, stetig in die Sicherheit zu investieren – was sie auch tun. Internationale Prüfungen stellen den hiesigen Meilern gute Noten aus. Dass deshalb der Ständerat wie zuvor schon der Nationalrat auf ein fixes Abschaltdatum verzichtet, ist nachvollziehbar. Die möglichen Schadenersatzklagen sind noch nicht mal das Hauptargument dagegen. Vielmehr geht es um die viel beschworene Sicherheit: Denn wissen die Betreiber eines AKW genau, wann sie die Anlagen herunterfahren müssen, sind sie nicht mehr gleich investitionsfreudig. Und der Strom aus erneuerbaren Energien steht noch nicht so bald im nötigen Ausmass bereit.

Unverständlich ist jedoch, dass die kleine Kammer auch das Langzeitbetriebskonzept, das den Weiterbetrieb eines AKW für jeweils zehn Jahre erlaubt, in den Wind schlägt – zumal die Sicherheitsbehörde dieses ausdrücklich wünscht. Die Grünen heulen deshalb gerade lauter auf als der Motor ihres «Opel Beznau». Doch schon im nächsten Jahr könnten sie als Gewinner dastehen: Die Chancen ihrer Initiative, welche die AKW-Abschaltung nach 45 Betriebsjahren fordert, sind mit dem gestrigen Entscheid jedenfalls gestiegen.

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