Kommentar
Eigeninteresse und Anstand

Wie sollen ältere Arbeitnehmer besser in den Arbeitsmarkt integriert werden können? Immerhin scheint an der nationalen Konferenz der Ernst der Lage erkannt worden zu sein.

Tommaso Manzin
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Arbeitslosigkeit ist bei Ü55 ein grosses Thema. (Symbolbild)

Arbeitslosigkeit ist bei Ü55 ein grosses Thema. (Symbolbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Es fand erst die zweite nationale Konferenz zur Frage statt, wie ältere Arbeitnehmer besser in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Jenseits der üblichen Positionierungen bei der Medienkonferenz und der bekannten Unterschiede zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden ist festzustellen: Der Ernst der Lage scheint erkannt. Mit der Annahme der Zuwanderungsinitiative wird die Schweiz in Zukunft weniger auf ausländische Arbeitskräfte zählen können.

Wie zu erwarten war, blieb die Forderung der Gewerkschaften nach mehr Kündigungsschutz chancenlos. Dies zu Recht. Eine Kategorie, die unter Schutz gestellt wird, hat es schwerer, in den Arbeitsmarkt ein- oder wiedereinzusteigen. Denn der starke Kündigungsschutz einer Kategorie führt entweder zu erhöhter Arbeitslosigkeit in dieser Kategorie selbst, weil er das finanzielle Risiko einer Anstellung für die Unternehmen erhöht. Oder aber, falls er tatsächlich wirkt, der Schutz bestraft eine andere Kategorie. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Teilen der Eurozone etwa ist eine direkte Folge des fast unkündbaren Status jener, die bereits eine Stelle haben – also vor allem älterer Jahrgänge.

Zu prüfen wäre allenfalls eine Art Treuebonus. Dabei ist für den erhöhten Schutz des Arbeitsplatzes nicht das Alter relevant, sondern die Verweildauer im Betrieb. Eigentlich aber sollte ein Betrieb nicht nur aus wohlverstandenem Eigeninteresse bestrebt sein, einen Mitarbeiter, der langjähriges Expertenwissen im Betrieb gesammelt hat, bei sich zu behalten. Sondern auch aus Anstand.

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