Kommentar

Digitale Transformation: Die SRF-Chefin geht eine Wette ein

Beeindruckend schnell treibt Nathalie Wappler, die Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen, den Umbau der öffentlichen elektronischen Medien voran.

Francesco Benini
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Francesco Benini.

Francesco Benini.

CH Media

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr hat sie die Streichung von Sendungen im linearen Fernsehen bekannt gegeben. Weil die Werbeeinnahmen einbrechen, baut SRF zugleich Dutzende Stellen ab.

Es fällt auf, dass Wappler über die geplanten neuen Formate, die auf Youtube und Instagram verbreitet werden sollen, nur in Andeutungen spricht. Wie die digitale Transformation zu bewerkstelligen ist, scheint man am Leutschenbach noch nicht genau zu wissen. Klar ist nur, dass schnell etwas geschehen muss.

Die SRF-Direktorin geht ein hohes Risiko ein. Dem eher älteren Publikum, das nach wie vor auf herkömmliche Weise Fernsehsendungen kon­sumiert, werden beliebte Formate weggenommen. Wappler rüttelt auch am Auftrag eines Service-public-Senders, wenn sie Wirtschaftsmagazine wie «Eco» und Literatursendungen wie «52 beste Bücher» beseitigt.

Ob der neue Digitalkurs wie erhofft ein jüngeres Publikum findet, ist ungewiss. Die Jungen sind von SRF lange vernachlässigt worden. Die Älteren wenden sich ab, weil sie enttäuscht sind vom ausgedünnten Programm. Jüngere stossen nicht nach – so könnte sich die SRF-Chefin bald zwischen Stuhl und Bank setzen. Sie wäre dann wohl die Nächste, die den Leutschenbach verlassen müsste.