Kommentar
Die Weissgeldstrategie ist nicht konsequent

Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat dem Automatischen Informationsaustausch (AIA) zugestimmt. Damit ist das Ende des Bankgeheimnisses für Bankkunden im Ausland besiegelt. Zumindest wenn diese Bankkunden in einem OECD-Land zu Hause sind.

Michael Wanner
Michael Wanner
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Die Weissgeldstrategie ist nicht konsequent (Symbolbild).

Die Weissgeldstrategie ist nicht konsequent (Symbolbild).

Keystone

Für Länder ausserhalb der OECD wird es keine vergleichbaren Regeln geben. Der Ständerat hat das Vorhaben des Bundesrates abgelehnt, strengere Vorschriften in das Geldwäschereigesetz aufzunehmen, die verhindern sollten, dass unversteuerte Gelder aus Drittstaaten auf Schweizer Bankkonten landen.

Die Argumentation der bürgerlichen Mehrheit im Ständerat hat einiges für sich: Das musterschülerhafte Vorpreschen der Schweiz führe zu unnötigem Bürokratieaufwand für die Banken und durch diesen sogenannten «Swiss Finish» entstehe ein Standortnachteil für den Finanzplatz.

Zusätzliche Regulierungen sollten in der Tat immer kritisch hinterfragt werden. Und wohl herrscht tatsächlich eine Art Wirtschaftskrieg. Andere Staaten, allen voran die USA, verhalten sich opportunistisch und setzen ihre Interessen knallhart durch. Wieso sollte die Schweiz also etwas preisgeben, wenn sie nicht muss?

Allerdings ist eine gewisse Inkonsequenz nicht von der Hand zu weisen. Die Schweiz bekennt sich zu einer Weissgeldstrategie – aber eben nur, solange das Ausland sie dazu zwingt.

Die Frage sei erlaubt, ob dieser Wirtschaftskrieg nicht auch über die Reputation zu gewinnen wäre: Die Schweiz als sauberster Finanzplatz? Diese Option, international voranzuschreiten und die Weissgeldstrategie in aller Konsequenz durchzusetzen, ist nun vom Tisch.