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Kommentar

Die USA täten im Iran-Konflikt gut daran, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen

Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA sind das Resultat früherer Einmischungen im Land.
Dominik Weingartner
Dominik Weingartner, Leiter Ausland

Dominik Weingartner, Leiter Ausland

Die Zeichen stehen auf Sturm. Eindringlich haben die Aussenminister von Deutschland und Grossbritannien, Heiko Maas und Jeremy Hunt, ihren amerikanischen Amtskollegen Mike Pompeo am Montag vor einem bewaffneten Konflikt mit Iran gewarnt. Offenbar sehen sie die USA auf einem gefährlichen Pfad. Ein Krieg mit dem Iran scheint nicht mehr ausgeschlossen. Dass die Amerikaner jüngst einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in Richtung Iran verschoben haben, lässt Ungutes erahnen.

Man könnte versucht sein, einen sogenannten «Regime Change» in Teheran zu begrüssen. Im Iran werden Frauen unterdrückt, Homosexuelle verfolgt und Minderjährige hingerichtet. Die Liste der Verfehlungen der Islamischen Republik ist lang. Ebenso lang ist aber auch jene von Saudi-Arabien, einem ebenso blutrünstigen islamistischen Steinzeit-Regime – und einer der wichtigsten regionalen Verbündeten des Westens, aber vor allem der USA. Insofern wäre ein militärisches Vorgehen gegen den Iran aus moralischen Gründen kaum zu rechtfertigen, schliesslich könnte man deswegen genauso gut in Riad einmarschieren.

«Europa hat ein grosses Interesse daran, dass die Lage im Iran nicht eskaliert. Denn die daraus resultierenden Verwerfungen – Stichwort Flucht und Migration – hätten neben den Nachbarländern auch die Europäer zu tragen.»

Doch den Amerikanern geht es um knallharte Machtpolitik, um Einfluss in der Region. Der Iran ist mittlerweile zu einem wichtigen Player im Mittleren Osten erwachsen, übt erheblichen Einfluss aus im Irak und in Syrien. Hauptkonkurrent im hegemonialen Bestreben in der Region ist Saudi-Arabien. Und damit sind auch die Interessen der Amerikaner tangiert. Dass die USA gewillt sind, ihre Interessen auch mit Waffengewalt durchzusetzen, hat die Vergangenheit gezeigt.

Den Emanzipationsbestrebungen der Iraner haben die USA und die Briten bereits in den 1950er-Jahren Einhalt geboten, als sie den damaligen Premierminister Mohammad Mossadegh, der die Ölindustrie zu Ungunsten vor allem der Briten verstaatlichen wollte, stürzten. Das vom Westen unterstützte autoritäre Schah-Regime wurde 1979 dennoch durch die Islamische Revolution gestürzt. Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA sind also auch das Resultat früherer Einmischungen im Land.

Hinter der aggressiven Iran-Politik von US-Präsident Donald Trump steckt dessen Sicherheitsberater John Bolton, der die Islamische Republik schon länger als Hauptfeind ausgemacht hat. Bolton sähe lieber heute als morgen eine neue Regierung in Teheran. Er gilt als einer der Architekten des Irak-Kriegs von 2003, der die Diktatur von Saddam Hussein hinwegfegte. Damals legten die USA dem UN-Sicherheitsrat vermeintliche Beweise für biologische und chemische Kampfstoffe im Irak vor – gefälschte Dokumente, wie sich später herausstellte.

Die weitere Geschichte ist bekannt. Der Irak ist bis heute ein extrem instabiles Land. Die Wurzeln der Terrormiliz Islamischer Staat bilden unter anderem ehemalige Geheimdienstoffiziere von Saddam Hussein. Jener IS, der am Syrienkrieg mit seinen Hunderttausenden Flüchtlingen entscheidend beteiligt war und für unbeschreibliche Verbrechen im Irak und in Syrien sowie für zahlreiche Terroranschläge in Europa verantwortlich ist.

Nur schon deshalb hat Europa ein grosses Interesse daran, dass die Lage im Iran nicht eskaliert. Denn die daraus resultierenden Verwerfungen – Stichwort Flucht und Migration – hätten neben den Nachbarländern auch die Europäer zu tragen. Doch auch die Amerikaner täten gut daran, aus den Fehlern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Regierungen lassen sich nicht einfach so auswechseln.

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