Kommentar

Die St.Galler Lehrerschaft ist unzufrieden mit der Stadt als Arbeitgeberin: Die Fakten sind da, jetzt ist es Zeit für einen Neustart

Die Resultate der Lehrerbefragung des KLV sprechen eine deutliche Sprache: Die Mehrheit der Lehrpersonen macht ihren Job gerne, macht aber grosse Defizite bei der Dienststelle Schule und Musik aus. Die Umfrage-Ergebnisse sind eine gute Faktenbasis für einen Neuanfang.

Luca Ghiselli
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Luca Ghiselli, Reporter Stadt St.Gallen.

Luca Ghiselli, Reporter Stadt St.Gallen.

Bild: Hanspeter Schiess

Lange war der Streit zwischen der St.Galler Lehrerschaft und der Schuldirektion von Emotionen geprägt. Kein Wunder, hatte sich über die Jahre doch einiges angestaut: Da war die Kündigung zweier Lehrer, die das St.Galler Verwaltungsgericht als formell ungenügend beurteilte. Oder die in Teilen der Lehrerschaft vorhandene Skepsis gegenüber Marlis Angehrn, der ehemaligen Leiterin der Dienststelle Schule und Musik. Und da war Angehrns Abgang Ende 2019, der alles andere als leise war.

Lange beharrten die Verantwortlichen der Stadt im Schulstreit darauf, dass es keinerlei Indizien dafür gebe, dass die St.Galler Lehrerschaft unzufrieden sei. Dabei bezogen sich sowohl Marlis Angehrn als auch Schuldirektor Markus Buschor auf Umfragen aus den Jahren 2010 und 2016. Sie stellten eine Zufriedenheit von 80 bis 85 Prozent fest. Dem hielt der Lehrerverband (KLV) jeweils entgegen, die Zahl von Lehrern aus der Stadt, die eine Rechtsberatung wollten, sei überproportional gross.

Der Lehrerverband hat den Puls gefühlt

Jetzt hat der KLV mit seiner Befragung eine solide Faktenbasis geschaffen. Die Anzahl ausgefüllte Fragebogen – etwas über 250 – entspricht zwar nur etwas mehr als einem Drittel aller Lehrpersonen der Stadt. Trotzdem: Der Verband hat den Puls eines beträchtlichen Teils der Lehrerschaft gefühlt – und das Ergebnis ist in einigen Punkten besorgniserregend.

Nur die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer würde einer anderen Lehrperson empfehlen, einen Job in der Stadt anzunehmen. Die Schulnoten, welche die Lehrerschaft ihrer Arbeitgeberin, der Dienststelle Schule und Musik, gegeben haben, sind durchs Band ungenügend. Und weniger als die Hälfte unterrichtet laut eigenen Angaben gerne in der Stadt. Das sind Alarmzeichen, die von der Stadt nicht ernst genug genommen werden können.

Ein neuer Kopf an der Spitze ist eine Chance

Die Ergebnisse der Befragung lassen aber auch hoffen: Die St.Galler Lehrerinnen und Lehrer unterrichten tatsächlich gerne. Dass mit Martin Annen im Sommer ein neuer Kopf an der Spitze der Dienststelle Schule und Musik steht, und dass die Sorgen und Ängste der Lehrerschaft nicht mehr als diffuse Gefühle abgetan werden können, schafft eine gute Grundlage für einen gelungenen Neustart. Und damit auch die Chance auf ein entspannteres Verhältnis zwischen Verwaltung und Lehrkörper. Davon profitieren alle.