«Swissleaks»
Die Schweiz wird ihren Ruf nicht los

Die Geschichte passt perfekt ins Klischee: Eine Schweizer Bank verdient mit dem Geld von Steuerhinterziehern und Kriminellen Millionen. Ein ganzes Land schaut weg.

Lorenz Honegger
Lorenz Honegger
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Logo der Bank HSBC

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Keystone

Dieses Mal ist es der Schweizer Ableger der britischen Bank HSBC, der international in den Schlagzeilen steht. Zeitungen von Zürich bis Paris berichteten gestern unter dem Titel «Swissleaks» über die Machenschaften des Finanzinstitutes. Die Enthüllungen sind schockierend, und sie sind wichtig. Man muss aber auch sagen: Die Berichte basieren auf Daten, die sieben und mehr Jahre alt sind. Seither ist viel Wasser die Rhone heruntergeflossen.

In der Zwischenzeit hat die Schweiz das Bankgeheimnis für Ausländer endgültig aufgegeben. UBS, Credit Suisse und Co. werden gegen Ende des Jahrzehnts damit beginnen, automatisch Informationen über die Vermögen ausländischer Kontoinhaber an deren nationale Steuerbehörden zu übermitteln.

Doch im Ausland will man diese Botschaft nicht hören. Ein ehemaliger französischer Staatsanwalt im Fall HBSC durfte gestern in der «Süddeutschen Zeitung» unwidersprochen behaupten, Schweizer Banken würden gegenwärtig «Kapital annehmen, das sie eigentlich nicht annehmen dürften». Kein Wort zu den Bemühungen der Eidgenossenschaft, mit der Vergangenheit abzuschliessen. Das zeigt: Die Schweiz muss die Neuausrichtung ihres Bankenplatzes noch viel offensiver kommunizieren als bisher. Das ist ein schweres Unterfangen. Denn jahrzehntelang haben die Banken vom Ruf der Schwarzgeld-Oase profitiert. Nun müssen sie den Preis dafür bezahlen.

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