Kommentar

Die Schonfrist für den Migros-Chef läuft jetzt ab

Der Migros droht ein historisch schlechtes Ergebnis. Nach zwei Jahren an der Spitze darf Fabrice Zumbrunnens nicht mehr geschont werden.

Benjamin Weinmann
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Benjamin Weinmann

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Sandra Ardizzone

Das Ergebnis steht noch nicht schwarz auf weiss, und dennoch sehen manche schon rot. Bei der Migros kursieren derzeit Gerüchte, dass das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust zu Ende gegangen sein könnte. Die Migros bezeichnet dies als reine Spekulation. Mag sein. Doch nur schon die Tatsache, dass intern über solche Szenarien gewerweisst wird, muss der Detailhändlerin zu denken geben. Es ist Ausdruck einer grossen Verunsicherung.

Da wäre einerseits die generelle Marktentwicklung, die im vergangenen Jahr alles andere als einfach war. Die durchzogenen Umsatzzahlen von Coop und der Stellenabbau bei Manor sind Zeugen davon. Einzig die Discounter können deutlich zulegen.

Die Verunsicherung bei der Migros ist aber auch hausgemacht und teilweise beabsichtigt. Denn Fabrice Zumbrunnen – seit 2018 Chef der Migros – will den behäbigen Konzern fit trimmen, um gegen die Onlinekonkurrenz und den Einkaufstourismus bestehen zu können. Er baute Stellen ab, senkte zahlreiche Preise und gab den Verkauf von traditionsreichen Tochterfirmen wie Globus und Interio bekannt. Kurzfristig schlechte Zahlen hat er somit bewusst in Kauf genommen.  

Doch wie lange dauert die Zeit der Unschuld? Nach zwei Jahren an der Spitze läuft Zumbrunnens Schonfrist ab. Er ist doppelt gefordert. Der Neuenburger muss nicht nur wieder Ruhe in die Migros bringen – sondern auch gute Resultate liefern.

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