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Kommentar

Die Rechte der Gefangenen wahren

In der Schweiz mangelt es an geeigneten Plätzen für Frauen, die
eine Freiheitsstrafe absitzen müssen. Bei manchen beträgt die Wartezeit bis zu einem Jahr.
Kari Kälin
Kari Kälin.

Kari Kälin.

Gefängnisse sind für Untersuchungshaft und Kurzstrafen konzipiert. Wer eine längere Strafe verbüssen muss, hat das Recht, dies in einer Anstalt für den Strafvollzug zu tun. Der Unterschied zwischen einem Gefängnis und einer Strafvollzugsanstalt ist relevant. Im Strafvollzug wird unter anderem die Fähigkeit gefördert, künftig straffrei zu leben. Man hat Arbeits-, Sport- und Weiterbildungsmöglichkeiten, erhält eine Betreuung, um schädlichen Folgen des Freiheitsentzugs entgegenzuwirken.

Sowohl für Frauen als für Männer fehlen zahlreiche Plätze im Strafvollzug. Sie landen dann auf einer Warteliste. Das bedeutet oft, dass Betroffene diese Zeit in Untersuchungs- und Regionalgefängnissen überbrücken. Dort aber fehlen oft Tagesstrukturen, die den Gefangenen bei der Bewältigung des Alltags helfen. Frauen sind zudem sozial isoliert. Sie haben in diesen Gefängnissen häufig wenig Kontaktgelegenheiten, weil dort nur wenige oder keine anderen Frauen untergebracht sind und sie strikt von den männlichen Insassen getrennt werden. Diese Faktoren führen zu einer hohen psychischen Belastung für die Insassinnen.

Es ist daher wichtig, dass die geplanten zusätzlichen Plätze für Frauen, zum Beispiel in der Strafvollzugsanstalt Hindelbank im Kanton Bern, die als einzige in der Schweiz ausschliesslich auf Frauen ausgerichtet ist, zügig an die Hand genommen werden. Das gleiche Fazit gilt auch bei den Männern. Für die Resozialisierung der Direktbetroffenen ist die Unterbringung in einer ungeeigneten Anstalt ein riesiges Problem. Gefangene haben das Anrecht, gut betreut auf das Leben in Freiheit vorbereitet zu werden. Das liegt im Interesse der ganzen Gesellschaft.

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