Blog
Die Poller-Polemik

Die Poller waren in Lenzburg das grosse Thema. Chefredaktor Christian Dorer kennt die Poller als Buschauffeur in Lenzburg bestens. Doch er war es nicht, der den Poller beim Hypiplatz umgefahren hat.

Merken
Drucken
Teilen
Dorers nächster Halt

Dorers nächster Halt

AZ

Nein: Ich war es nicht, der den Poller beim Hypiplatz Lenzburg umgefahren hat, wie böse Zungen auf der Redaktion behaupteten.

Und nein: Es war auch keine Frau, die den Poller umgefahren hat, wie noch bösere Zungen in Lenzburg behaupteten. Sondern ein erfahrener Chauffeur. Jeder jedoch, der den Hypiplatz zu Stosszeiten kennt, begreift, wie schnell das passieren kann.

Es war ein kleines Ereignis mit grosser Wirkung am Montag vor einer Woche: Mitten im abendlichen Stossverkehr blockierten Autos die normale Durchfahrt des Busses. Deshalb musste der Chauffeur den Poller manuell senken. Als der nachfolgende Bus drüberfuhr, hob sich der Poller – und es kam zur ersten, noch harmlosen Streifkollision. Dumm nur, dass der Poller danach auf halber Höhe stecken blieb – gerade auf jener Höhe, um den nachfolgenden Hybridbus auf seiner ganzen Länge aufzuschlitzen. Öl lief aus, der Hypiplatz war blockiert, das Chaos perfekt, der Schaden immens.

Das einzig Gute an der Sache: Die Poller dominieren nun wieder das Stadtgespräch. Und es bestehen ernsthafte Chancen, dass die Dinger verschwinden. Der zuständige Stadtrat Martin Steinmann jedenfalls sagte in der az: «Ich persönlich bin kein Anhänger der Poller.» Und: «Sie müssen thematisiert werden.»

Fragt sich bloss, warum er diese Erkenntnis nicht schon früher hatte. Schliesslich kennt jeder in Lenzburg mindestens ein Poller-Opfer. Die Mutter eines ehemaligen Bez.-Kollegen von mir etwa hat sich vor zwei Jahren den Arm gebrochen, weil sie mit dem Velo über den Poller fuhr, als er sich hob – und bös stürzte. Das lapidare Statement der Stadt damals – «die Signalisation ist hieb- und stichfest» – kann nur von einem Bürokraten stammen, der die Situation von seinem Bürostuhl aus beurteilt und nicht vom Velosattel aus. Zudem kommt es in schöner Regelmässigkeit zu Unfällen durch ortsunkundige Autofahrer, die dem Bus folgen und in den sich hebenden Poller krachen.

Wie man ein Fahrverbot schlauer umsetzen kann, zeigt die Stadt Baden. Vor ein paar Jahren hat sie die «schiefe Brücke» nach Ennetbaden für Autos gesperrt. Sie hat aber weder Poller noch Schranken montiert, sondern einen Blitzkasten. Dieser verursacht weder Unfälle noch Schäden. Dafür spült er Geld in die Stadtkasse.

Apropos schlau: Viele Autofahrer umgehen den Poller heute mit einem einfachen Trick. Sie biegen gleich davor rechts auf den Hypiplatz ein. Dort wenden sie – und fahren wiederum am Poller vorbei weiter Richtung Bahnhof. Ich spreche aus Erfahrung: Es funktioniert perfekt.