Kommentar

Die neue St.Galler Spitalstrategie hat Schönheitsfehler

Der Vorschlag der Regierung sieht zwar massive Einschnitte, aber keine kompletten Kahlschläge vor. Das ist vernünftig, aber nicht spektakulär. 

Andri Rostetter
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Andri Rostetter.

Andri Rostetter.

Die St.Galler Spitallandschaft soll umgebaut werden: Geht es nach dem Willen der Regierung, gibt es künftig statt neun Spitälern noch vier Spitalstandorte und fünf regionale Gesundheits- und Notfallzentren. Wattwil, Altstätten, Walenstadt, Flawil und Rorschach müssen künftig ohne voll ausgerüstete Mehrspartenhäuser auskommen.

In den Gesundheits- und Notfallzentren soll es aber immer noch ein paar Betten zur kurzfristigen stationären Überwachung geben. Das spart Personal und Kosten.

Der Vorschlag ist vernünftig, aber sicher nicht übermässig mutig oder gar spektakulär. Die Kosten laufen aus dem Ruder, die Politik ist unter Zugzwang. Nach den monatelangen Debatten war das Volk zudem auf harte Massnahmen gefasst.

Die neue Strategie sieht nun zwar massive Einschnitte, aber keine kompletten Kahlschläge vor. Wer vorher ein Spital hatte, wird künftig mindestens noch ein gut ausgerüstetes und modernes Notfallzentrum in der Nähe haben. Und vier Häuser werden weiterhin ein breites medizinisches Programm bieten.

Ob das in jedem Fall sinnvoll ist, darf in Frage gestellt werden. Denn die vorgeschlagene Spitalstrategie hat nach wie vor einen markanten Schönheitsfehler: Sie ist ein kantonaler Sololauf. Die benachbarten Appenzeller, Thurgauer, Liechtensteiner und Bündner Spitäler kommen in dieser Strategie nicht vor.

Die St.Galler Regierung trägt sicher nicht die Hauptschuld an diesem Umstand. Die Nachbarkantone zeigten sich bis jetzt ebenso wenig fähig, tragbare Lösungen für eine interkantonale Zusammenarbeit in der Spitalplanung zu finden. Erst wenn kantonsübergreifende Strategien gelingen, kann von einer zeitgemässen Spitalplanung gesprochen werden.

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Die Regierung des Kantons St.Gallen will langfristig die medizinische Qualität und die wirtschaftliche Basis der St.Galler Spitalverbunde sichern. Sie schlägt vor, das stationäre Angebot an den vier Mehrspartenspitälern Grabs, Uznach, Wil und St.Gallen zu konzentrieren. Gleichzeitig soll die Bevölkerung in Altstätten, Wattwil, Flawil, Rorschach und Walenstadt auch in Zukunft an sieben Tagen die Woche während 24 Stunden ein Notfallzentrum aufsuchen können.