Kommentar
Ein Achtelfinal mit Migrationshintergrund: Die Krux mit den Fussballlegionären

Sowohl Le Pen als auch Macron wollten mit der französischen Nationalelf Regionalwahlkampf betreiben und die Polemik rund um die Migrationshintergründe der Fussballspieler ausnützen. Doch das ging nach hinten los.

Stefan Brändle
Stefan Brändle
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Die Nationalelf von Frankreich.

Die Nationalelf von Frankreich.

Francois Mori / AP

Nicht nötig, exotisch klingende Namen zu zählen: Frankreich - Schweiz an der Fussball-EM, das ist ein Achtelfinal mit Migrationshintergrund. Auf beiden Seiten. Während die Polemik darum in der Schweiz eher pausiert, wogt sie in Frankreich hoch. Denn dort finden gerade Regionalwahlen statt. Die Rechtspopulisten um Marine Le Pen lästern über die «afrikanische» Nationalelf und über Stürmerstar Karim Benzema, der zur Marseillaise nicht einmal die Lippen bewegt. ­Präsident Emmanuel Macron – der stets die Gegenposition Le Pens einnimmt – verfolgte die «Bleus» dagegen bis ins Trainingscamp und lobte das Multikulti-Team mit seinen «familiären und geografischen Unterschieden».

Beide Spitzenpolitiker haben am Sonntag bei den Regionalwahlen eine Abfuhr erlitten. Eine Lehre daraus lautet: Die Wähler sind gegen die politische Vereinnahmung des Sports.

Nostalgiker glauben, dass sich die Fussballfans nicht mehr gleich wie früher mit ihrer Nationalmannschaft identifizieren. Stimmt das überhaupt? Wenn, dann rührt das nicht daher, dass die Spielerstars Migrationshintergrund haben, sondern dass sie als Legionäre auf ferne Länder verstreut spielen. Das ist systembedingt: Geld regiert heute den Spitzensport.

Kurz gesagt: Sowohl Le Pen wie Macron wollten mit der EM Regionalwahlkampf betreiben, und beide haben dabei ein Eigentor geschossen. Überlassen wir das Fussballern denen, die es beherrschen!