Kommentar
Die Kaufkraft ist sichtbar

Das Weihnachtsgeschäft läuft und die Schweizer kaufen kräftig ein. Und so zeigt sie sich, die berühmte Kaufkraft. Und mit ihr zeigt sich: Die Wirtschaft ist keineswegs zusammengebrochen, wie einige nach der Aufhebung des Mindestkurs befürchteten.

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Für manche Weihnachtsgeschenke braucht man nicht nur Kauf- sonder auch Muskelkraft.

Für manche Weihnachtsgeschenke braucht man nicht nur Kauf- sonder auch Muskelkraft.

Keystone

Wie wurde doch gejammert zu Beginn des Jahres, als die Nationalbank den Mindestkurs zum Euro aufgehoben hat! Sicher ist, dass die Folgen des geldpolitischen Entscheids bisher weniger gravierend ausgefallen sind, als zunächst angenommen wurde. Bis jetzt.

Der Blick auf den diesjährigen Weihnachtsverkauf, der zurzeit voll im Gang ist, bestätigt dieses Bild. Die Kaufkraft der Schweizer, die derzeit sichtbar zur Schau getragen wird, ist intakt. Das ist für den Zustand der Wirtschaft ein gutes Signal: Die Arbeitsplatzsicherheit ist nicht die Hauptsorge der Schweizer.

Es wird zwar nicht geshoppt wie wild. Von einem Rekordjahr, in Franken gerechnet, ist man am Ende des Geschäftsjahres weit entfernt. Doch das hat auch andere Gründe:

Die Konsumenten sind nicht nur preisbewusster geworden, sondern die Preise sind in diesem Jahr auch gesunken. Das Bundesamt für Statistik rechnet mit einer Minusteuerung in diesem Jahr von 1,1 Prozent. Erst 2017 sollen die Preise wieder anziehen. Wer also zu schnell zuschlägt, ist der Dumme.

Mit Rabatten müssen die Konsumenten derzeit stärker zum Konsum animiert werden als in früheren Jahren. Einige prominente Detailhändler wie der Denner-Erbe Philippe Gaydoul mögen sich daran stören, dass der Ausverkauf nicht mehr staatlich reguliert ist und die Rabattschlacht schon lange vor Weihnachten losgeht.

Diese Kritik ist aus liberaler Optik nicht nachvollziehbar. Der Staat hat lange genug die Wirtschaft behindert. Viel besser wäre es, dass sich die Wirtschaft um bessere Importkonditionen bemühen würde. Dann kann sie getrost ihre Preise anpassen und muss sich nicht um die Marge sorgen.

andreas.schaffner@azmedien.ch

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