Kommentar

Die Gretchenfrage der Techunternehmen lautet: Wie hältst du es mit Politwerbung?

Verbieten oder nicht? Im Wahljahr 2020 müssen sich Facebook, Google und Co. entscheiden wie sie mit Politwerbung umgehen. Welche der unterschiedlichen Strategien wird aufgehen?

Raffael Schuppisser
Drucken
Teilen
Nach dem Datenskandal von Cambridge Analytica, stellt sich im Wahljahr 2020 für Mark Zuckerberg und alle Techbosse die Frage: Wie hältst du es mit Politwerbung?

Nach dem Datenskandal von Cambridge Analytica, stellt sich im Wahljahr 2020 für Mark Zuckerberg und alle Techbosse die Frage: Wie hältst du es mit Politwerbung?

Andrew Harnik, AP

Auf Spotify werden Playlists nicht für «Keep America Great»-Durchsagen unterbrochen. Es gibt auf dem Streamingdienst dieses Jahr überhaupt keine politische Werbung. Das teilte die Firma kürzlich mit. Dieselbe Massnahme hat auch Twitter angekündigt. Der Grund dafür sind die Präsidentschaftswahlen in den USA. Zu Zeiten der Fake-News-Debatte lautet die Gretchenfrage der Techkonzerne im Jahr 2020: Wie hältst du es mit politischer Werbung?

Raffael Schuppisser

Raffael Schuppisser

Bild: Sandra Ardizzone

Die liberalste Position vertritt Facebook. Beim Social-Media-Riesen bleibt alle Politwerbung erlaubt, auch Lügen dürfen verbreitet werden. Es liege nicht an Facebook, die Werbung auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, sagt Mark Zuckerberg. Alles andere wäre für den Facebook-Chef Zensur. Doch wird er dem gesellschaftlichen Druck standhalten?

Google will den schwierigen Mittelweg gehen, die Werbung vor Veröffentlichung prüfen und kein gezieltes Microtargeting erlauben. Politische Botschaften können nur begrenzt personalisiert ausgespielt werden: Etwa im Hinblick auf Geschlecht und Alter, nicht aber aufgrund des Suchverhaltens der Nutzer. Dieser Kompromiss dürfte für Google nicht einfach werden. Wie kann der Konzern beweisen, dass er wirklich kein gezieltes Microtargeting ermöglicht? Und wie entscheidet er, was falsche und was wahre Aussagen sind?

Da ist die Lösung von Twitter und Spotify konsequenter: Politwerbung ganz verbannen und die Massnahme als Eigenwerbung für ein sauberes Image nutzen. Das könnte aufgehen, kommt aber auch einer Kapitulation gleich. Wie weit käme man auf der Welt, wenn man alles verböte, bei dem man nicht gänzlich garantieren kann, dass es auch mal schiefgehen wird?