Schlaglichter
Die Glockenfrage war ein Steilpass

Die Glocken der reformierten Kirche müssen nachts nun doch ruhen.

Florian Niedermann
Florian Niedermann
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Die Kirche Schlieren.

Die Kirche Schlieren.

Florian Niedermann

Du heiliger Bimbam! Nun ist es doch so weit: Die reformierte Kirche in Schlieren muss die Nachtruhe ihrer Nachbarn schützen. Dies hat der Schlieremer Stadtrat mit Verweis auf die Lärmschutzverordnung beschlossen. Ob die Kirche die Zeitschläge ihrer Glocken abstellt oder deren Lärm dämpft, ist noch nicht klar. Fest steht aber: Hätte die Kirchgemeindeversammlung Weitsicht bewiesen, so wäre sie schon vor einem Jahr auf die Bedürfnisse der Anwohner eingegangen.

Die Kirchenpflege beantragte im November 2014 nicht mehr, als die Glocken zwischen 22 und 7 Uhr abzuschalten. Eine knappe Mehrheit der stimmberechtigten Reformierten lehnte dies aber ab. Dass die lärmgeplagten Nachbarn sich in der Folge mittels Reklamationen bei der Stadt Gehör verschafften, kann man ihnen nicht verübeln.

Eine pseudo-christliche Tradition wie der Zeitschlag, die aus dem bürgerlichen Bedürfnis nach zeitlicher Orientierung hervorging, hat ihren ursprünglichen Sinn längst verloren. Heute nehmen diese Funktion Armbanduhren und Atomuhr-Wecker wahr. Und für arbeitstätige Menschen wiegt das eigene Ruhebedürfnis sicher schwerer als das Recht des Althergebrachten einer Kirchenglocke.

In einer Zeit, in der die Landeskirchen immer mehr Mitglieder verlieren und in der ihnen oft ein verstaubtes Image anhaftet, müsste es den religiösen Gemeinschaften ein Anliegen sein, mit der Zeit zu gehen und sich der Gesellschaft zu öffnen. Die Kirchenpflege hat diese Einsicht bewiesen. Hätte die Kirchgemeindeversammlung dasselbe getan, so hätte der Stadtrat sie nicht überstimmen müssen.

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