Die Coronakrise ist schlimm, aber nicht schlimmer

Balz Bruder
Drucken
Teilen
Balz Bruder

Balz Bruder

Die Krise ist wieder da. Das legen nicht nur Zahlen und Fakten aus Labors und Beamtenstuben nahe, sondern auch das gesellschaftliche Bewusstsein und die persönliche Befindlichkeit. Das Interessante dabei ist, dass die steigenden Fallzahlen ebenso wie die verbreitete Hilflosigkeit bei deren Eindämmung so ­vorhersehbar waren wie die Folge der Jahreszeiten. Dennoch greift Krisendynamik um sich. Ein diabolisches Wechselspiel zwischen steigender Kadenz behördlicher Massnahmen und schierer Angst vor eigener Betroffenheit. Denn es ist eine Tatsache: Gegen das Virus ist ausser viel Selbstdisziplin beim Einhalten von Abstands- und Hygieneregeln kein Kraut gewachsen. Auch wenn ermutigend ist, dass Diagnostik und Therapie bemerkenswerte ­Fortschritte machen. Gut, wir stehen zum Glück nicht vor einem Krieg. Trotzdem scheint die britische Losung «Keep calm and carry on» – ruhig bleiben und weitermachen – vor dem Zweiten Weltkrieg angezeigt. Wie wäre es deshalb damit, die sich täglich aufschraubende Spirale von öffentlichen und privaten Versuchen, die Krise mit der Potenz des immer Gleichen zu bewältigen, ­zu brechen? Auf dass sie uns weder physisch noch psychisch über den Kopf wachse?

Gewiss, die Krise ist schlimm, aber schlimmer machen, als sie ist, müssen wir sie nicht. Vor allem werden wir sie so nicht überwinden.