Kommentar

Die Bevölkerung ist lernfähig: Die Superspreader-Events legen ein Vollzugsproblem offen

Der Bundesrat hat die ausserordentliche Lage beendet und damit die Kantone in die Pflicht genommen. Noch ist nicht allen klar, was das genau bedeutet.

Doris Kleck
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Doris Kleck, Co-Ressortleiterin Inland.

Doris Kleck, Co-Ressortleiterin Inland.

Bild: Sandra Ardizzone

Die Nervosität ist spürbar. Aus einem geplanten Treffen zwischen Bundesrat Alain Berset und kantonalen Gesundheitsdirektoren wird ein «Krisengipfel». Die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli droht den Clubbetreibern mit der Schliessung. Und Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren, wünscht sich neuerdings eine «nationale Maskenpflicht für den öffentlichen Verkehr.» Der Grund: Die steigende Zahl der Coronafälle.

Die Nervosität und die Ereignisse vom Wochenende sind gut. Denn sie zeigen die Defizite im Vollzug der Coronaregeln. Der Bundesrat hat die ausserordentliche Lage beendet und damit die Kantone in die Pflicht genommen. Sie sollen nun beweisen, dass sie die Infektionsketten nachverfolgen und lokale Herde bekämpfen können. Föderalismus bedeutet im Moment vor allem epidemiologischer Wettbewerb.

Hoch im Kurs steht der Ruf nach einer Maskenpflicht im ÖV. Masken machen Sinn, wenn die Distanzregeln nicht eingehalten werden. Kaum aber, wenn man alleine in einem Zugabteil sitzt. In seinem Krisenmanagement setzte der Bundesrat auf die Eigenverantwortung. Das hat gut funktioniert. Die Bevölkerung hat Lernfähigkeit bewiesen.

Das letzte Wochenende wird eine Lehre sein für die Clubs – die ein Debakel à la Flamingo vermeiden wollen. Und für die Partygänger, die gemerkt haben, welche Risiken mit einem Clubbesuch verbunden sind. Die Angabe der richtigen E-Mail-Adresse ist sicher weniger schmerzhaft als die Schliessung aller Clubs. Das müsste eigentlich jeder begreifen.

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