Café Fédéral
Die Armee, ein Spiegel der Gesellschaft?

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Haben beispielsweise Veganer nichts in der Schweizer Armee zu suchen?

Haben beispielsweise Veganer nichts in der Schweizer Armee zu suchen?

Keystone

Wenn es nach Jean-Luc Addor geht, dann haben «solche Personen» in der Armee nichts zu suchen: Der Walliser SVP-Nationalrat will Veganer automatisch vom Militär ausschliessen. Die Armee dürfe sich keinesfalls dem Veganismus anpassen, forderte er in einer Motion an den Bundesrat. Addor stösst sich daran, dass die Armee «von einem Veganer vorgeführt worden ist». Vorgeführt wurde die Armee freilich ausgerechnet von einem jungen Mann aus seinem Heimatkanton. Der Veganer war zuerst als dienstuntauglich bezeichnet worden, weil es nicht möglich sei, ihn ausreichend und gut zu ernähren. Doch dann rekurrierte der Walliser gegen den Entscheid – worauf ein Militärarzt auf diesen zurückkam.

Eine strikt vegane Lebensführung führt nicht per se zur Militärdienstuntauglichkeit: Dieser Grundsatz soll nun weiterhin gelten. Der Bundesrat hat die Motion von SVP-Mann Addor abgelehnt. Die Militärdienstpflicht gelte unabhängig von der Gesinnung, der Religion oder dem Ernährungsverhalten. Wer sich im Dienst vegan ernähren will, kann deshalb wie bisher einzelne Teile einer Mahlzeit weglassen oder selbst Zusatznahrung mitbringen.

Dass sich die Armee deswegen in einen «ideologischen Kampf» begibt, wie Addor befürchtet, ist abstrus. Zum einen bereitet es ihr nur wenig Aufwand, einen Veganer aufzunehmen; einen dienstwilligen, versteht sich. Zum anderen geht es letztlich um eine liberale Errungenschaft: Der Schutz von Minderheiten ist ein hohes Gut in der Schweiz. Die Armee soll laut ihrem Chef Philippe Rebord mehr denn je ein «Spiegel der Gesellschaft» sein. Es wäre schade, wenn ausgerechnet hier das Verständnis für alternative Lebensweisen fehlt.

sven.altermatt@azmedien.ch

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