Kommentar
Die Angst überwunden

Das neue Zivildienstgesetz ist unter Dach und Fach. Der Nationalrat hat am Dienstag die letzte Differenz zum Ständerat ausgeräumt: Zivildienstleistende dürfen in Zukunft auch an Schulen eingesetzt werden. Ein Kommentar dazu.

Antonio Fumagalli
Antonio Fumagalli
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Zivildienstler bei einem Gruppeneinsatz bei der Biotop-Pflege: Bald sind sie auch in der Schule tätig.

Zivildienstler bei einem Gruppeneinsatz bei der Biotop-Pflege: Bald sind sie auch in der Schule tätig.

Keystone

Sie begleitet jede parlamentarische Debatte zum Zivildienst: Die Angst, dass der Ersatzdienst gegenüber dem klassischen Militärdienst zu attraktiv gemacht wird. Die Angst, dass der Armee deswegen reihenweise junge Männer davonlaufen. Die Angst also, dass die Zivis letztlich eine allfällige Verteidigung unseres Landes hintertreiben.

Gut, hat sich eine Mehrheit des Nationalrats nicht von dieser Angst leiten lassen und beschlossen, dass der Zivildienst um einen Tätigkeitsbereich erweitert wird (wir berichteten). Zivis können künftig auch in Schulen eingesetzt werden, so wie es der Lehrerverband und die kantonalen Erziehungsdirektoren fordern.

Die Angst ist nämlich nicht nur ein schlechter Ratgeber, sie ist auch unbegründet. Der Bundesrat hat unlängst festgestellt, dass der Zivildienst die Armeebestände nicht gefährdet. Und vergessen wir nicht: Es ist das Parlament, das in den letzten Jahren eine stetige Reduktion der Anzahl Armeeangehörigen beschlossen hat – notabene bei einer wachsenden Bevölkerung.

Die Rechnung ist einfach: Wenn es weniger Soldaten braucht und gleichzeitig keine neuen Betätigungsfelder für Zivis geschaffen werden, steigt der Anteil derjenigen jungen Leute, die sich jeglicher Form von Dienst ganz entsagen.

In vielen Fällen ist das nämlich ein Kinderspiel. Bereits heute ist die Quote der «Drückeberger» in zahlreichen Kantonen erschreckend hoch. Das kann nicht im Sinn einer Gesellschaft sein, die – wie mehrfach in Volksabstimmungen bestätigt – den Milizgedanken weiterhin hochhält.