Wilde Tiere
Der Wolf ist da oder «I want to believe»

Der Wolf ist hier, der Wolf ist hier – wenn man es genug oft sagt, wird es vielleicht wahr. Nicht, dass es ihm ergeht wie dem Schwarzen Panther, der vor zwei Jahren durchs Mittelland zog. Oder eben doch nicht. Eine Polemik.

Thomas Röthlin
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Ein Wolf? Nein ein tschechischer Wolfshund.

Ein Wolf? Nein ein tschechischer Wolfshund.

Jiri Vurma

Erinnern Sie sich an die berühmte US-Fernsehserie «The X-Files» aus den 90er-Jahren? FBI-Agent Mulder glaubt an Ausserirdische, Kollegin Scully an nichts ausser das Irdische. In Mulders Büro hängt das UFO-Poster mit der Schrift «I want to believe» (ich will es glauben).

Das Credo der TV-Figur Mulder erinnert fatal an die real existierenden Zeugen, die im Aargau einen Wolf gesehen haben wollen. An die 88-jährige Rentnerin, die das Raubtier mitten in der Nacht von ihrem Schlafzimmerfenster aus «sichtete». Und an jene Leute, die gestern in Aarau einen ausgebüxten Tschechischen Wolfshund fotografierten und das Bild fehlalarmiert der Sektion Jagd und Fischerei schickten.

Die angeblichen Wolfssichtungen zeigen: Der Wolf ist da, wo wir seit dem überfahrenen Jungtier in Schlieren auf ihn programmiert sind: in unseren Köpfen – und sonst nirgends. Ein wahrnehmungspsychologisch höchst interessantes Phänomen.

Der echte Aargauer Wolf soll sich endlich zeigen! Sonst ergeht es ihm wie dem Schwarzen Panther, der vor zwei Jahren durchs ganze Mittelland geisterte und am Schluss doch ein Hirngespinst blieb. (trö)

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