Kommentar

Der Traum vom Leben im Süden

Immer mehr Rentner kehren aus dem Tessin zurück. Eine Rückkehr in die ­deutsche Schweiz muss indes nicht heissen, dass der Entscheid, einst ins Tessin zu zügeln, falsch war. 

Gerhard Lob aus Locarno
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Die Pension im Tessin verbringen – der Traum vieler Deutschschweizer.

Die Pension im Tessin verbringen – der Traum vieler Deutschschweizer.

Keystone

Sonne und Wärme im Tessin statt Nebel und Regen im Mittelland: Der Traum vom Leben im Süden ist weitverbreitet. Gerade Deutschschweizer, die vielleicht schon während ihres Arbeitslebens ein Feriendomizil oder einen Zweitwohnsitz im Tessin hatten, wagen immer wieder diesen Schritt. Manche werden glücklich, andere treffen auf grosse Schwierigkeiten, fühlen sich isoliert und fremd, auch wenn sie nur den Kanton und nicht das Land gewechselt haben.

Gerhard Lob  aus Locarno inland@chmedia.ch

Gerhard Lob aus Locarno inland@chmedia.ch

Zwar verbindet mittlerweile der Gotthard-Basistunnel Arth-Goldau mit Bellinzona in einer Zugstunde. Trotzdem trennen die deutsche Schweiz und das Tessin nach wie vor Welten: sprachlich, kulturell, mental, klimatisch. Das wird häufig unterschätzt. Sprache kann man lernen, die Mentalität aber nicht. Wenn dann noch Kinder und Enkel ennet des Gotthards leben, verwundert es nicht, dass betagte Expats im Tessin vermehrt in ihre Heimatkantone aus der Deutschschweiz zurückkehren.

Denn im Alter möchte man die ­Familie in der Regel in der Nähe haben beziehungsweise die Familie ihre betagten Angehörigen bei sich. Eine Rückkehr in die ­deutsche Schweiz muss indes nicht heissen, dass der Entscheid, einst ins Tessin zu zügeln, falsch war. Einen anderen Landesteil kennen zu lernen, und dies nicht nur in den Ferien, sondern im Alltag, ist mit Sicherheit eine Bereicherung, mitsamt ihren Sonnen- und ­Schattenseiten.