Kommentar

Der Test als Glaubensfrage – Kommentar zum Nutzen der Antikörpertests

Mehrere grosse Firmen wie die Credit Suisse, Helsana oder Zurich bieten ihren Firmen einen kostenlosen Corona-Antikörpertest an. Gleichzeitig ist nicht klar, ob man wirklich immun gegen das Virus ist, wenn man Antikörper gebildet hat.

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Andreas Möckli, Ressortleiter Wirtschaft.

Andreas Möckli, Ressortleiter Wirtschaft.

Die Credit Suisse macht es, Roche, Zurich und Helsana ebenfalls. Bei Nestlé läuft ein Pilotprojekt. Die fünf Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern einen Corona-Antikörpertest an, und dies kostenlos. Das Ergebnis wollen die Firmen gar nicht erst wissen. Das mag auf den ersten Blick erstaunen. Doch die Unternehmen hätten sich der Kritik ausgesetzt, weil sie mit dem Wissen des Ergebnisses allzu stark in die Persönlichkeitsrechte ihrer Angestellten eingegriffen hätten.

Die Frage stellt sich, was die ganze Übung den Firmen ausser Kosten und einem allfälligen Imagegewinn überhaupt bringt. Die Krankenkasse Helsana argumentiert, die Mitarbeiter würden entspannter, besser und damit auch produktiver arbeiten, wenn sie Gewissheit darüber haben, ob sie sich mit dem Virus angesteckt haben. Doch genau bei dieser Gewissheit liegt die Krux. Denn derzeit ist nicht bekannt, ob jemand, der wegen einer Ansteckung Antikörper gebildet hat, tatsächlich immun ist und nicht erneut krank werden kann. Selbst wenn man daran glaubt, ist nicht klar, wie lange der Schutz anhält.

Bietet ein Unternehmen seinen Mitarbeitern einen Antikörpertest an, ist eine transparente Aufklärung über dessen Schwächen zwingend. Sonst droht die Gefahr, dass sich die Angestellten in einer falschen Sicherheit wiegen und sich privat und geschäftlich allzu unvorsichtig verhalten. Somit wäre der Gratistest kontraproduktiv.