Kommentar
Der Rücken der Nation

Roger Federer leidet und mit ihm alle Schweizer Sportfans, ausser ein paar wenigen Neidern. Rückenprobleme plagen den Tennisstar, und die Nation fiebert seiner Genesung entgegen.

Michael Wehrle
Michael Wehrle
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Nicht der einzige mit Rückenproblemen: Roger Federer.

Nicht der einzige mit Rückenproblemen: Roger Federer.

Schliesslich soll der 33-Jährige die Schweiz am Wochenende in Frankreich zum ersten Triumph im Davis-Cup führen. Fast alles dreht sich um Federer, da keimen an den Stammtischen die wildesten Gerüchte auf. Federer habe den Final an den World Tour Finals sausen lassen, um sich für den Davis-Cup zu schonen. Federer habe den Final nicht gespielt wegen seiner Auseinandersetzung mit Stan Wawrinka. Alles Blödsinn. Federer ist angeschlagen. Nie würde er gesund auf einen so wichtigen Final verzichten.

Auch Ski-Ass Pirmin Zurbriggen war ein Volksheld, zumal die Schweiz vor 29 Jahren eine Skination erster Güte war, Tennis spielte eine Nebenrolle. Bei Zurbriggen riss der Meniskus drei Wochen vor der Weltmeisterschaft. Und die Nation litt – mit dem Knie der Nation. Zwei Mal holte Zurbriggen Gold, schöpfte aus der Anteilnahme positive Energie. Das kann auch Federer. Weil er abgeschottet wird, kann er sich auf seine Kernaufgabe konzentrieren. Gesund werden, nicht Interviews geben ist jetzt wichtig.

Die Fans leiden, das dürfen sie auch. Emotionen im Sport sind das Salz in der Suppe. Doch manche leiden doppelt. Denn Federer ist nicht der Einzige, der Rückenprobleme hat. Einem Viertel der Schweizer Bevölkerung geht es ähnlich. Allerdings nicht punktuell, sondern konstant. Und das sind die wahren Leidenden, dagegen ist ein Rücken der Nation wahrlich kein Drama.