Polemik
Der Rostesel in der Performancekultur

Jetzt müssten die SBB die Weichen stellen, sagte SBB-Chef Andreas Meyer: «Sonst stehen wir in zehn Jahren da wie der Esel am Berg.» In zehn Jahren? Warum nicht schon jetzt, Herr Meyer?

Max Dohner
Max Dohner
Merken
Drucken
Teilen
SBB-Chef Andreas Meyer: "Die SBB muss die Weichen jetzt richtig stellen."

SBB-Chef Andreas Meyer: "Die SBB muss die Weichen jetzt richtig stellen."

KEYSTONE/DOMINIC STEINMANN

Beim grössten Kristallisator von Heimat in diesem Land freier Bähnler, bei den SBB, sind seit einiger Zeit fremd anmutende Töne zu vernehmen. Dissonanzen im Ohr gewissenhafter Bähnler. Aus dem Englischen übersetztes Deutsch, oft mit deutschem Zungenschlag verquirlt. Manager-Speak. Sprach-Chloroform. Verblasene Jargonmode.

Dennoch latent drohend fürs feine Gehör von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wie die Drohung, die SBB jetzt von McKinsey röntgen zu lassen, um die Verantwortung abzuschieben, wenn man Hunderte von Leuten vom Gleis stellt.

Dieses Managerdeutsch lautet aktuell so: Es gelte, für die Zukunft «eine energisierende Performance-Kultur» zu entwickeln. Und «korrosive» Haltungen auszumerzen. «Korrosiv» meint zerfressend. Ein Menschenbild also wie Rost.

Deutsch und deutlich redet die SBB nicht. Stattdessen wickelt die «Energisierung» alle in Watte, um am Ende den Tritt in den Arsch durch die «Performance-Kultur» abzufedern.