Kommentar
Der FCB verleitet YB zu Fehler

Fredy Bickel und die Berner Young Boys sind nicht erst seit dem Wechsel von Renato Steffen zum FC Basel die grossen Verlierer. Das Abonnement auf Titel lockt die Spieler zum FCB - auch diejenigen von YB.

Sebastian Wendel
Sebastian Wendel
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Renato Steffen wird nun nicht mehr in schwarz-gelb, sondern in rot-blau jubeln.

Renato Steffen wird nun nicht mehr in schwarz-gelb, sondern in rot-blau jubeln.

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Man kann YB-Sportchef Fredy Bickel als schlauen Taktierer betiteln: Seine Massnahme, Renato Steffen vom Trainings- und Spielbetrieb der Berner zu suspendieren, spülte eine mittlere sechsstellige Summe in die Kasse. Weil der FCB, Steffens neuer Arbeitgeber, im Sommer keinen Spieler übernehmen wollte, hinter dem ein halbes Jahr Einzeltraining liegt. Aber letztlich war es Bickels letzte Möglichkeit, in der Vertragsposse nicht komplett das Gesicht zu verlieren, sprich Steffen ablösefrei nach Basel ziehen zu lassen.

Aber die Verlierer im Kampf gegen den FC Basel waren Bickel und YB schon länger: Genauer gesagt seit jenem Zeitpunkt im vergangenen Herbst, als sich Renato Steffen für einen Wechsel zum Ligakrösus entschied. So wie es vor ihm Gilles Yapi (2010) und Raul Bobadilla (2013) taten. Sie waren wie Steffen Leistungsträger im gelb-schwarzen Trikot, auf ihnen lag die Hoffnung der Fans. Aber kaum erfolgte der Lockruf, wären sie alle auf Knien nach Basel gerobbt.

YB bietet viel: ein schönes Stadion, eine tolle Stadt zum Wohnen und Leben, gute Löhne. In diesen Punkten kann YB mit dem FCB mithalten. Aber nicht mehr, wenn es um Titel und um die Champions League geht. Nach fast 30 Jahren ohne Titel glauben tief im Innern wohl auch die YB-Profis selber an das Image des ewigen Zweiten – und gehen, wenn die Titelsammler aus Basel rufen.

Für die YB-Bosse ein kaum zu ertragender Zustand. Einer, der zu Fehlern verleitet: Im Sommer gab es für Steffen Angebote aus der Bundesliga. Statt ihn für gutes Geld zu verkaufen und die Ablösesumme in einen sportlich gleichwertigen Ersatz zu investieren, beharrte Bickel auf Steffens Verbleib. Obwohl der erfahrene Bickel da eigentlich schon spüren musste, dass Steffen seinen Vertrag nicht verlängern würde. Doch Bickel, der als Saisonziel einen Titel ausgab, wollte mit dem Verkauf eines Schlüsselspielers kein falsches Signal aussenden. Dazu sei gesagt: Natürlich fundiert die FCB-Erfolgsstory zu einem grossen Teil auf Gigi Oeris Finanzspritzen. Aber genauso entscheidend
ist die clevere Personalpolitik der FCB-Verantwortlichen.

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