Kommentar

Davos lernt Trump kennen

Trotz grosser Ansage wird weder US-Präsident Donald Trump noch seine Delegation für das Weltwirtschaftsforum anreisen. Sein Verhalten überrascht jedoch wenig.

Patrik Müller
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Patrik Müller.

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Normalerweise gibt das Weltwirtschaftsforum seine mächtigsten Teilnehmer kurzfristig bekannt. Donald Trump brach diese Regel und posaunte schon Mitte Dezember heraus, er werde wieder an diesen «grossartigen Anlass» fliegen. Und er setzte noch einen drauf. Er werde eine «hochkarätige Delegation» mitnehmen. Vergangene Woche sagte Trump seinen Besuch ab, beteuerte aber, die hochkarätige Delegation komme trotzdem. Gestern die neuste Wendung: Trump streicht auch seiner Delegation die Reise. Die US-Regierung wird in Davos erstmals komplett fehlen.

Letztes Jahr haben die «Davos Men», wie die am WEF versammelte globale Elite bezeichnet wird, den US-Präsidenten gewissermassen in ihren Kreis aufgenommen. Zwar missfällt ihnen seine Handelspolitik, aber für sein Plädoyer für tiefe Steuern und Deregulierungen feierten sie ihn. WEF-Gründer Klaus Schwab liess eine Blaskapelle aufspielen, wie bei einem offiziellen Staatsempfang. Schwab wusste, dass Trump Schmeicheleien mag. Durch seine On-Off-Ankündigung lernen die «Davos Men» nun den wahren Trump kennen, besser als durch jede Rede, die er am WEF hätte halten können: Er ist unberechenbar, unverlässlich, chaotisch. Alles dient der Show – auch Ankündigungen und ihre Dementis. Genau so betreibt Trump Politik.

Davos wird die Absenz der USA verkraften. Der Bundesrat auch, der mit den Amerikanern über ein Freihandelsabkommen reden wollte. Unserer Regierung bleibt jetzt mehr Zeit, um bei europäischen Regierungsvertretern für die Schweizer Haltung beim EU-Rahmenabkommen zu werben. Switzerland first, sozusagen.