Kommentar

Überwachung am Arbeitsplatz: Datenschützer muss aktiv werden

Firmen testen Software, die das Verhalten der Angestellten im Homeoffice aufzeichnet. In der Schweiz ist dauerhafte Überwachung verboten, es gibt aber Schlupflöcher– die Behörden sind gefordert.

Gregory Remez
Drucken
Teilen
Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft.

Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft.

Bild: Manuela Jans-Koch

Der Ruf nach mehr Freiheit bei der Wahl des Arbeitsortes könnte für einige Angestellte zum Bumerang werden. Denn Firmen experimentieren im gegenwärtigen Homeoffice-Boom zunehmend mit Software, die es Vorgesetzten erlaubt, ihren Angestellten auch ausserhalb des Büros auf die Finger zu schauen.

Nun sollte inzwischen allen bekannt sein, dass man über die Geschäftsmailadresse lieber keine privaten Nachrichten verschickt. Wie aber verhält man sich, wenn man ahnt, dass der Chef theoretisch jede Mausbewegung, jeden Klick, jede Regung vor und auf dem Bildschirm nachvollziehen kann? Die perfide Mischung aus Big Data und Big Brother wäre Gift für das vielerorts herrschende Vertrauensklima. Hiesige Firmen sollten daher unbedingt die Finger davon lassen.

Im Ausland werden die Programme bereits rege genutzt. In der Schweiz verbietet das Arbeitsgesetz dagegen eine dauerhafte Mitarbeiterüberwachung. Es gibt allerdings Schlupflöcher, die einige Firmen offenbar ausnutzen; Fachleute sprechen von einer Dunkelziffer.

Und auch wenn uns hierzulande wohl kaum amerikanische oder japanische Verhältnisse erwarten, darf das Thema auf Behördenseite nicht stiefmütterlich behandelt werden. Es kann nicht sein, dass der hiesige Datenschützer «auf entsprechende Anfragen» wartet, oder dass bei Verstössen gegen das Arbeitsrecht lächerliche «Bussen von bis zu 10'000 Franken» ausgesprochen werden. Ansonsten droht die neue Freiheit für manche schnell in neue Unfreiheit zu münden.