Flüchtlingsdrama
Das Mögliche tun, ist humanitäre Pflicht

Hunderte Bootsflüchtlinge lassen im Mittelmeer ihr Leben. Nun will die EU mehr Rettungsschiffe in die Region schicken. Dafür ist es höchste Zeit.

Fabian Fellmann, Brüssel
Fabian Fellmann, Brüssel
Drucken
Teilen
Weitere 93 Personen wurden demnach aus dem Wasser gerettet, 30 von ihnen kamen ins Spital.
16 Bilder
Asylbewerber: Anzahl pro 1000 Einwohner 2014 – in der EU und in der Schweiz.
Vor einem beliebten Strand der griechischen Touristeninsel Rhodos ist ein Schiff mit Dutzenden Flüchtlingen an Felsen zerschellt.
Mindestens drei Menschen starben, darunter ein vierjähriges Kind.
Nach ersten Erkenntnissen der Küstenwache kam das Schiff offenbar aus der Türkei.
Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
Augenzeugen gaben an, die Flüchtlinge klammerten sich an Teile des Schiffes, um auf diesen die Küste zu erreichen.
Medienberichten zufolge beteiligten sich auch Inselbewohner an der Rettung.
Über die Nationalität der Menschen wurde zunächst offiziell nichts bekannt.
Augenzeugen sagten im örtlichen Rundfunksender, viele von ihnen seien aus Syrien.
Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
Die italienische Küstenwache ist überfordert
Flüchtlinge klammern sich an ein Boot
Schweigeminute im EU-Rat

Weitere 93 Personen wurden demnach aus dem Wasser gerettet, 30 von ihnen kamen ins Spital.

Keystone

Fachleute warnten seit letztem Herbst: Ab Frühjahr würden wieder Zehntausende die riskante Überfahrt wagen. Allen war klar, dass die bestehenden Rettungsmissionen dafür nicht ausreichen. Wenn die EU nun endlich ihre Rettungsmissionen verstärkt, ist das richtig. Tausende Frauen, Kinder und Männer in Seenot sind unmittelbar vom Tod bedroht. Das Mögliche zu tun, um ihnen zu helfen, ist eine humanitäre Pflicht.

Natürlich ist damit nicht aus der Welt geschafft, was die Menschen aus ihrer Heimat in Afrika und dem Nahen Osten vertreibt: Perspektivlosigkeit wegen Krieg und Armut. Und natürlich kann Europa nicht alle Flüchtlinge aufnehmen. Das muss Europa aber auch gar nicht: Millionen Vertriebene aus Afrika und dem Nahen Osten haben in ihren Nachbarländern Zuflucht gefunden.

Europa braucht aber auch eine langfristige Antwort auf die Migrationskrise. Die Situation in den Herkunftsländern kann sie kaum beeinflussen, und die Schlepperbanden wird sie nicht auslöschen können. Es besteht kein Zweifel daran, dass auch in den kommenden Jahren Zehntausende Asyl beantragen werden. Umso dringender muss die EU entscheiden, wer diese Flüchtlinge aufnimmt und wer dafür bezahlt. Während diese Fragen ihrer Klärung harren, hat Europa keine andere Wahl, als jenen Flüchtlingen beizustehen, die in Seenot geraten. Es nicht zu versuchen, bedeutet, sie einfach ertrinken zu lassen.

Aktuelle Nachrichten