Kommentar
Mit der Einführung des Zertifikats wird auch gleich dessen baldiges Ende angekündigt – ein völlig falsches Zeichen

Am 7. Juni startet das Covid-19-Zertifikat. Gemäss dem Bundesrat soll es nur kurzzeitig zum Einsatz kommen. Dieser Knicks vor der lauten Minderheit der Impfgegner gefährdet die Annäherung an die Herdenimmunität, welche für das Ende der Pandemie zwingend ist.

Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf
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Die Ankündigung der Kurzzeitigkeit macht auch deshalb keinen Sinn, weil Reisen ohne Zertifikat noch lange nicht möglich sein wird.

Die Ankündigung der Kurzzeitigkeit macht auch deshalb keinen Sinn, weil Reisen ohne Zertifikat noch lange nicht möglich sein wird.

dpa / Keystone

Bei aller Freude über die schönen Perspektiven zur Rückkehr in die Normalität. Leicht geht vergessen, dass noch viele Intensivstationen stark mit Covid-19-Patienten belegt sind und es täglich deutlich über 1000 Neuinfektionen gibt. Dass nun nicht mehr die inzwischen geimpften Senioren, sondern die Jüngeren infiziert werden, zeigt den Erfolg der Impfkampagne. Diese darf nun aber nicht nachlassen.

Deshalb ist es ein falsches Zeichen, dass der Bundesrat mit der Einführung des Covid-19-Zertifikats für Geimpfte, Genesene und Getestete gleich auch dessen baldiges Ende angekündigt hat. Dieser Knicks vor der lauten Minderheit der Impfgegner gefährdet die für das Ende der Pandemie zwingende Annäherung an die Herdenimmunität. Diese wird erst bei einer Impfrate von etwa 80 Prozent erreicht. Man impft sich zwar primär zum eigenen Schutz. Impfen ist aber auch ein Akt der Solidarität, zu dem Unentschlossene eher bereit sind, wenn sie damit Vorteile in ihrer Lebensgestaltung erhalten.

Die Ankündigung der Kurzzeitigkeit macht auch deshalb keinen Sinn, weil Reisen ohne Zertifikat noch lange nicht möglich sein wird. Die Covid-19-Pässe werden auch deshalb länger im Einsatz bleiben, weil gegen nächste Wellen wohl wieder geimpft werden muss. Und dann wäre ohne Zertifikat zum Beispiel bei Grossveranstaltungen die neue Normalität schon wieder vorbei.

Besser wäre klare Kante gewesen so wie in Österreich, wo es ohne den 3G-Ausweis keinen Zutritt zu Vergnüglichem gibt. Auch wenn es die Österreicher etwas übertreiben und auch Alltägliches wie Restaurantbesuche miteinschliessen.