Analyse

Die St.Galler Skigebiete öffnen wieder, obwohl die Coronazahlen nicht wirklich gut sind

Die St.Galler Regierung hat entschieden, schon ab morgen die Skigebiete wieder zu eröffnen. Das erstaunt, denn die Coronafallzahlen im Kanton sind nach wie vor hoch.

Jürg Ackermann
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Die Flumserberge können ihr Skigebiet schon morgen Donnerstag wieder eröffnen.

Die Flumserberge können ihr Skigebiet schon morgen Donnerstag wieder eröffnen.

Bild: Michel Canonica

Die beiden Appenzell sowie der Kanton Glarus haben schon gestern Dienstag grünes Licht gegeben. Die Skipisten sind in diesen Regionen ab sofort wieder offen. So wie in den grossen Wintersportkantonen Wallis, Bern und Graubünden, die ihre Lifte auch über die Festtage laufen liessen. Graubünden gab heute Morgen zudem weitere Lockerungen bekannt. So dürfen die Restaurants in den Skigebieten ihre Terrassen für Gäste bald wieder öffnen, ebenfalls wieder erlaubt ist der Alkoholausschank.

Luzern dagegen steht weiterhin auf der Bremse. Der Zentralschweizer Kanton will seine Skigebiete frühestes am 8. Januar wieder öffnen. Wie der Kanton Schwyz, der bereits Anfang Woche verkündet hatte, dass die Auslastung in den Spitälern und die Fallzahlen nach wie vor zu hoch seien, um die Skipisten freizugeben.

Der Entscheid ist überraschend

Auf welche Seite würde sich der Kanton St.Gallen schlagen? Seit heute Morgen ist klar: Auch er will das Skifahren schon ab morgen Donnerstag wieder erlauben. Die Begründung: Die Auslastung in den Spitälern sowie die Kapazitäten beim Contact-Tracing und beim Testen liessen dies zu. Das freut insbesondere die drei grossen Skigebiete Flumserberge, Pizol und Wildhaus, die zuletzt auf eine schnelle Wiedereröffnung drängten.

Der Entscheid ist jedoch vor allem mit Blick auf die aktuelle epidemiologische Entwicklung überraschend. Zwar sind die Fallzahlen gegenüber vor zwei Wochen im Kanton St.Gallen um fast 20 Prozent gesunken, doch noch immer hält der Kanton mit 750 Neuansteckungen auf 100'000 Einwohner in den vergangenen zwei Wochen den zweithöchsten Wert der Schweiz, hinter dem Tessin.

Zum Vergleich: Die grossen Wintersportkantone Graubünden, Bern und vor allem das Wallis weisen deutlich tiefere Fallzahlen aus. Zudem sind auch die gesunkenen St.Galler Fallzahlen mit Vorsicht zu geniessen, da über die Weihnachtsfeiertage deutlich weniger getestet wurde als in den Wochen zuvor. Zudem ist noch völlig unklar, wie sich die Festtage, wo mehr Menschen zusammenkamen, auf die Verbreitung des Virus auswirken.

Selbst der Kanton Luzern, der seine Skigebiete für mindestens eine weitere Woche geschlossen hält, steht bei den Fallzahlen besser da als St.Gallen.

Flumserberge
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Flumserberge

Bilder: Michel Canonica (10. Dezember 2020)

Sehr hohe Positivitätsrate in St.Gallen

Der für die Entscheidungsfindung ebenfalls wichtige R-Wert liegt zwar seit einigen Tagen im Kanton St.Gallen wieder unter 1, das heisst, die Fallzahlen könnten in den nächsten Tagen weiter abnehmen.

Nicht wirklich gut ist jedoch vor allem die nach wie vor sehr hohe Positivitätsrate von über 20 Prozent. Hier weist St.Gallen - wie bei den Todesfällen mit Corona - den derzeit schlechtesten Wert von allen Kantonen auf. Das heisst, die Leute lassen sich in der Ostschweiz deutlich weniger testen als in anderen Regionen der Schweiz, dementsprechend höher dürfte die Dunkelziffer an Coronafällen sein.

So äusserte sich auch die Taskforce des Bundes am Dienstag gegenüber der Wiedereröffnung der Skigebiete in Kantonen mit hohen Fallzahlen eher skeptisch. Grundsätzlich sei das Ansteckungsrisiko auf Skipisten klein, sagte Taskforce-Chef Martin Ackermann, allerdings führe es zu erhöhter Mobilität «und bringt Menschen zusammen, die sich so nicht sehen würden».

Es sei momentan wichtig, dass man alles unternehme, um aus der Risikozone zu kommen und die Fallzahlen zu senken, um eine dritte Welle zu vermeiden, insbesondere auch mit Blick auf die neue Virus-Mutation aus Grossbritannien, die viel ansteckender ist.