Kommentar

Chemienobelpreis: Höchste Ehre für eine gefährliche Erfindung

Die beiden Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna bekommen den Nobelpreis für die umstrittene Genschere Crispr-Cas9. Warum diese Auszeichnung richtig ist.

Raffael Schuppisser
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Raffael Schuppisser.

Raffael Schuppisser.

Sandra Ardizzone

Es ist ein bisschen wie Gott spielen: Man kann mit der Genschere Crispr-Cas9 ins menschliche Erbgut eingreifen und es umschreiben. Sobald man das Zusammenspiel der Gene ausreichend versteht, könnten damit Designerbabys nach den Wünschen der Eltern geschaffen werden: schlau, schön und stark.

In einer primitiven Form wurde das schon einmal gemacht. Ein chinesischer Forscher hat die DNA von Zwillingen so verändert, dass sie resistent gegen HIV sind.

Solche Eingriffe in die Keimbahn sind gefährlich, da sie weitervererbt werden und unklar ist, wie sich die Mutationen auswirken. Sie sind auch in China verboten. Der Schöpfer der genmanipulierten Zwillinge, Jiankui He, wanderte deshalb ins Gefängnis.

Den Erfinderinnen von Crispr-Cas9 Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna hingegen wird nun die höchste Ehre zuteil: Sie werden mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Das ist hochverdient. Denn die Genschere weckt grosse Hoffnung für innovative Therapien gegen Krebs und für die Heilung von Erbkrankheiten. Dass Crispr-Cas9 auch missbraucht werden kann, liegt in der Natur der Sache. Jede Technologie kann für gute und schlechte Zwecke verwendet werden. Es wäre falsch, deswegen ihre Weiterentwicklung zu unterbinden.

Viel mehr geht es darum, mit Crispr-Cas9 einen sinnvollen Umgang zu finden. Denn nicht alles, was man mit der Genschere einmal machen könnte, muss auch tatsächlich gemacht werden.

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