De Schepper
Burnout und Gute Nacht

Noch nie hatte ich so viele Zuschauer auf Tele M1 wie mit der Talk-Sendung zum Thema Burnout. Und ein Satz gibt allen zu denken: «Ich brauche zum Glück nicht viel Schlaf.»

Werner de Schepper
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Vom Taxi-Chauffeur bis zum Manager werde ich darauf angesprochen. Ein Satz gibt besonders viel zu reden. Ein Satz, den ich auch schon als Entschuldigung, aber stolz wie ein Hahn gesagt habe: «Ich brauche zum Glück nicht viel Schlaf.»

Es ist das Mantra aller, die rund um die Uhr unglaublich aktiv sind. Es ist der Satz, den wir auch von Natalie Ricklis Stiefmutter hören: «In letzter Zeit hatte sie massive Schlafstörungen», sagt sie in der «Schweizer Illustrierten». Lange sah die junge Politikerin es laut ihren Eltern als grosse Stärke an, mit nur fünf Stunden Schlaf auszukommen. Ganz wie ihr Vorbild Christoph Blocher, der auch immer betont, wenig Schlaf zu brauchen.

Am Mittwoch fuhr ich mit einem TCS-Generaldirektor nach Hause. Er sagte, er habe Angst auszubrennen. Damit er nicht plötzlich fürs Unternehmen ausfalle, habe er sich für seinen «Key Performance Index» drei neue Ziele gesetzt: «Ich brauche genug Schlaf, will mein Gewicht und den Ruhepuls halten und einmal die Woche meine Frau zum Lachen bringen.» Letzteres macht er, indem er jeden Sonntag kocht.

Den Rest, indem er nicht auch noch in der Freizeit Marathon läuft, sondern sich für alles mehr Zeit nimmt. Ich bin nicht Mitglied beim TCS, aber eine Organisation, die ihre Mitarbeiter nicht einfach verbrennt, imponiert mir. Das gilt auch für die Politik. Wir müssen für unsere Milizpolitiker, die wir als Wähler anstellen, Verhältnisse schaffen, dass sie nicht verbrennen. Sonst sagen sie uns schneller Gute Nacht, als uns lieb ist.