Kommentar

Brand der Notre Dame: Verluste gehören dazu

Nach dem Brand von Notre-Dame trauert die Welt um die beschädigte Kathedrale. Unzählige Schätze wurden im Laufe der Geschichte verbrannt, geschleift, zerbombt, vergessen.

Jérôme Martinu
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Jérôme Martinu, Chefredaktor der Luzerner Zeitung.

Jérôme Martinu, Chefredaktor der Luzerner Zeitung.

Das Dach ist weg. Eine Feuersbrunst hat in Paris die Kirche Notre-Dame schwer beschädigt. Tausende Französinnen und Franzosen drücken nach der fatalen Brandnacht vor Ort ihre Anteilnahme aus. Notre-Dame ist für Paris und Frankreich nicht nur ein epochenprägender Sakralbau. Die weltberühmte Kathedrale ist auch Teil der nationalen Identität. Die römisch-katholische Kirche wird wieder aufgebaut. Aber der Verlust vieler Artefakte ist schmerzvoll, gerade an einem so symbolträchtigen Ort. Und dennoch gehören Verluste dazu. Unzählige Schätze wurden im Laufe der Geschichte verbrannt, geschleift, zerbombt, vergessen.

Wo kennt man den Verlust eines Wahrzeichens besser als in unserer Region? Der Brand der Luzerner Kapellbrücke von 1993 ist Teil des kollektiven Gedächtnisses. So schnell die mittelalterliche Holzbrücke wieder aufgebaut wurde, so episch war – und ist! – die Debatte um die Brückenbilder. Sollen Kopien zum Schutz der verbliebenen Originale aufgehängt werden? (Kunst-)Historisch wertvolle Werke müssen öffentlich begeh- und einsehbar bleiben. Geschichte zum Schutz vor Naturgewalten und Vandalismus wegsperren ist ebenso falsch, wie schützenswerte Objekte einfach verfallen zu lassen. Das bedeutet: Faksimiles sind ein Ausweg. Denn auch Kopien waren stets Teil der Geschichte.

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Feuer verwüstet Pariser Notre-Dame

Der verheerende Brand in der Pariser Kathedrale ist unter Kontrolle. Der Schaden kann derzeit noch nicht beziffert werden. Frankreich will das berühmte Wahrzeichen wieder instand setzen.
Melanie Finschi / AP