Beziehungen: Bin ich die Richtige?

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: von Beziehungs-Fehlstarts und dem Mythos des «Richtigen».

Maria Brehmer
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«Die Gründe für meine etlichen Beziehungs-Fehlstarts waren so unterschiedlich wie die Dinge, die mir an meinen potenziellen Partnern nicht gefielen. Tatsächlich lag es schon einmal an der falschen Form seiner Badehose.»

«Die Gründe für meine etlichen Beziehungs-Fehlstarts waren so unterschiedlich wie die Dinge, die mir an meinen potenziellen Partnern nicht gefielen. Tatsächlich lag es schon einmal an der falschen Form seiner Badehose.» 

(Foto: Sandra Ardizzone)

Manchmal treffen einen neue Erkenntnisse wie Eisregen: plötzlich und unangenehm. Dass es für eine erfüllende Beziehungen wichtiger ist, selbst der richtige Partner zu sein als den richtigen Partner zu finden, ist so eine Erkenntnis.

Immer diese Januare


«Der Richtige»: Ihn (oder das weibliche Pendant) ausfindig und dingfest zu machen, rangiert vermutlich in diesem neuen Jahr zumindest bei Singles wieder weit oben auf der Liste der beliebtesten Vorsätze. Auch ich begutachtete immer mal wieder leicht panisch mein Leben allein; besonders in den Januaren äusserte sich meine Single-Scham in starken Gefühlen irgendwo zwischen Hochmotivation, dass ich es dieses Jahr besser machen werde, und der lähmenden Beunruhigung, in einem Jahr möglicherweise noch immer an demselben Punkt zu stehen.

Je mehr ich die «Falschen» datete, umso öfter hörte ich von meinen Freunden, besser mal meine Ansprüche zurückzuschrauben – dann würde es mit den Männern klappen. Annehmen wollte ich den Ratschlag nicht. Weil man mich damit für mein Single-Dasein verantwortlich machte. Und weil ich immer fand: Hohe Ansprüche sind wichtig – immerhin geht es darum, dass ich «den Richtigen» finde. Und der soll gefälligst etwas draufhaben.

Wie Ich-bezogen ich doch war


Wie «der Richtige» sein musste, dazu hatte ich – zumindest gedanklich – eine lange Liste an Kriterien ausgeklügelt. Ich checkte jeden Typen auf sein «der Richtige»-Potenzial, was er beruflich macht oder wie er politisch drauf ist etwa. Wurde es ernster, liessen Schwierigkeiten nicht lange auf sich warten. Die Gründe für meine etlichen Beziehungs-Fehlstarts waren so unterschiedlich wie die Dinge, die mir an meinen potenziellen Partnern nicht gefielen. Tatsächlich lag es schon einmal an der falschen Form seiner Badehose, weshalb ich ihn nicht weiter treffen wollte (ich bin nicht stolz darauf!).

Ich war eine dieser Frauen, die immer an «die Falschen» gelangte – ohne jede Ahnung, warum.


Bis ich diese Erkenntnis beim Lesen eines Beziehungsratgebers hatte, und dann schämte ich mich. Wie Ich-bezogen ich doch war, nach jemandem zu suchen, der rundum meinen Vorstellungen entsprach. Was war mit mir? War ich überhaupt «die Richtige», mit der man zusammen sein wollte?

Natürlich soll es Vorstellungen geben dürfen, die man sich von seinem Traumpartner macht, doch unsere hohen Ansprüche machen gute Beziehungen nicht selten unmöglich. Tatsache ist, dass die Liebe auf jemanden fällt, der Ecken und Kanten hat – weil das alle haben. Sich selbst als «die Richtige» oder «den Richtigen» zu sehen, bedeutet nicht, oberflächlich ein guter Fang zu sein. Sondern sich selbst mit all seinen Schwächen zu akzeptieren. Das kann er oder sie dann auch besser bei seinem Partner oder seiner Partnerin.


«Die Richtige» sein ist übrigens mein Vorsatz für dieses Jahr.