Polemik
Biker im Hotel: Locker, sportlich – und eine Sekte

Was passiert, wenn Wanderer im Biker-Hotel absteigen.

Max Dohner
Max Dohner
Merken
Drucken
Teilen
Mountainbiker unterwegs auf einem Feldweg (Symbolbild)

Mountainbiker unterwegs auf einem Feldweg (Symbolbild)

Keystone

Das Paar überlegte sich die Sache gut. Aber der Hotelier des Biker-Hotels sagte, das sei überhaupt kein Problem. Jeder, der bloss wandern möchte, habe ein Gastrecht auch in einem Biker-Hotel. Nun rät der Hotelier-Verband den darbenden Hoteliers, sich «Nischen» zu suchen, mit einem «Nischen-Publikum». Die Biker-Szene wäre eine solche Sparte ...

Oder besser: eine Sekte.

Das wandernde Paar fühlte sich am Frühstückstisch unter Bikern zuerst unwohl. Dann isoliert. Dann geächtet. Tatsächlich erhob sich am dritten Tag ein Biker im Saal und fragte, im Beisein des Wanderer-Paars, warum man in einem Biker-Hotel als Biker nicht in Ruhe sein Biker-Frühstück einnehmen könne, ohne auf Artfremde zu stossen. Als Biker habe er angenommen, in einem Biker-Hotel sei man unter sich.

Das Wanderer-Paar absolvierte Routen, die sie mehr schlauchten als jede Biker-Tour. Aber das war nicht der Punkt. Der Punkt war: Sie gingen zu Fuss; das tun keine reinen Biker. Am nächsten Tag wünschte der Biker, der sich beschwert hatte, der Wanderin: «Schönen Spaziergang». Sie antwortete: «Viel Spass beim Velofahren.» So teilen sich Religionen, so beginnen Kriege.