Kommentar

Biker haben ebenso ein Recht auf den Wald wie Wanderer und Rehe

Biker, Wanderer und Wildtiere kommen sich in Ostschweizer Wäldern vermehrt in die Quere. Doch statt Biker zu Sündenböcken zu stempeln, sollten sich Kantone und Gemeinden um eine zeitgemässe Bike-Infrastruktur kümmern. Damit wäre allen gedient.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

Stefan Schmid

Hanspeter Schiess

Biken boomt. Noch nie wurden hierzulande so viele Fahrräder verkauft wie in den vergangenen Monaten. Vermischt mit dem Trend, Ferien und Freizeit im eigenen Land zu verbringen und sich an der Natur zu erfreuen, hat die Zahl der Biker in den Schweizer Wäldern gefühlt deutlich zugenommen.

Auch wenn konkrete Zahlen zum Bike-Boom fehlen: Es ist falsch, von einem Trendsport zu sprechen.

Biken hat sich in den vergangenen zehn Jahren vom Nischen- zum Breitensport entwickelt.

Touristische Kantone wie Graubünden oder das Wallis haben das längst erkannt. Gebiete wie Davos oder die Aletscharena haben Dutzende Biketrails eröffnet oder Wanderwege für Biker freigegeben.

Bild: Keystone

Propagiert wird ein friedliches Nebeneinander, das, so die Rückmeldungen vieler Biker und Wanderer, gut funktioniert. Die spezifischen Trails verhindern, dass Biker kreuz und quer durchs Gestrüpp brettern und damit Flora und Fauna Schaden zufügen.

Kinderfreundliche Bike-Parks schiessen da wie dort aus dem Boden, wo sich jung und alt sportlich betätigen und am Ende einen Kaffee oder ein Bierchen trinken können. So wird Biken zum Wirtschaftsfaktor.

Ganz anders in der Ostschweiz. Die Innerrhoder haben viele Wege für Biker gesperrt. Willkommen sind einzig die Wanderer. Im Kanton St.Gallen lauern Polizisten auch mal hinter dem Baum, um Biker zu büssen, die nicht auf breiten Waldwegen unterwegs sind (was mit Biken wenig zu tun hat). Und im Thurgau beschweren sich hin und wieder Förster über die angeblich rücksichtslosen Biker in den Wäldern.

Es ist Zeit, diese konfrontative Haltung zu überdenken. Das Bauen und Pflegen von ein paar coolen Bike-Trails sollte ebenso selbstverständlich als öffentliche Aufgabe anerkannt werden, wie dies bei den Wanderwegen längst der Fall ist. Der Wald gehört allen, nicht nur Spaziergängern und Rehen.

Für ein kultiviertes Nebeneinander braucht es nicht viel, wie der Waldegg-Trail zwischen Ausserrhoden und der Stadt St.Gallen zeigt. Illegale Bikerouten sind fast verschwunden, die Nutzerströme werden sinnvoll kanalisiert. Darauf lässt sich aufbauen. Bike-Parks statt Bussen. Kantone und Gemeinden sind in der Pflicht, innovative und allgemeinverträgliche Lösungen zu suchen.

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