Biden ist als Wahlkämpfer so schwach wie Trump als Präsident

Samuel Schumacher
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Es ist Wahlkampf in den USA, auch wenn von der Megashow, die die Amerikaner üblicherweise alle vier Jahre abziehen, heuer noch wenig zu sehen war. Am Samstag aber soll’s trotz anhaltender Coronakrise so richtig losgehen – mindestens auf der republikanischen Seite. Amtsinhaber Donald Trump lädt seine Anhänger nach Tulsa im Bundesstaat Oklahoma, wo er in der ersten Rally seit März vor 19000 Fans die Werbetrommeln schwingen will.

Trump bringt seiner Vorfreude auf den Startschuss des US-Wahlkampfs seit Tagen auf allen Kanälen zum Ausdruck. Für ihn ist es höchste Zeit, die Propaganda-Maschinerie anzuwerfen. In Umfragen liegt er meilenweit hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden zurück. Und auch wenn solche Umfragen zu diesem Zeitpunkt faktisch nichtssagend sind, bringen sie Unruhe ins Trump-Lager.

Auf der demokratischen Seite hingegen scheint man gelassen auf Zeit zu spielen. Terry McAuliffe, der Biden-Unterstützer und Ex-Gouverneur von Virginia, sagte in einer Videokonferenz, es wäre am besten, wenn Biden noch möglichst lange in seinem Keller bliebe und nicht auf Tournee ginge.

Das Kalkül dahinter ist klar: Biden ist als Wahlkämpfer so schwach wie Donald Trump als Präsident. Und während der eine brav zuhause vor der Kamera sitzt, will der andere alle Krisen möglichst sofort vergessen machen – am besten mit lautem Wahlkampf-Getöse.

Diese Woche allerdings machten Gerüchte die Runde durch amerikanische Qualitätsblätter, dass Trump gar keine zweite Amtszeit wolle. Das Regieren, das sagt Trump offenkundig nicht zu. Doch aller Abgesang auf den seit Sonntag 74-Jährigen ist verfrüht. Sein politisches Amt mag ihn noch so sehr anöden: Trump würde sich trotzdem nie von Biden schlagen lassen wollen. Die Schmach, gegen den vier Jahre älteren Demokraten zu unterliegen, würde Trump nicht ertragen. Sollte er am 3. November dennoch verlieren, stünde ihm eine letzte Chance für Revanche offen. Laut Verfassung dürfte sich Trump 2024 erneut um eine zweite Amtszeit bewerben. Er wäre der erste Republikaner, dem das gelänge. Und das erst noch gegen Präsident Biden. Dafür würde er wohl sogar nochmals vier Jahre Regierungspflichten auf sich nehmen.